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Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Download, Gesundheit, Medizinische Versorgung 14.07.2018

Analyse: Gute Arbeit gegen Pflegenotstand

Analyse: Gute Arbeit gegen Pflegenotstand

In der Studie “Aufwertung von sozialen Dienstleistungen. Warum sie notwendig ist und welche Stolpersteine noch auf dem Weg liegen” der Hans-Böckler-Stiftung wird der Pflegenotstand thematisiert. Es wird nicht nur die aktuelle Situation ausführlich beschrieben und anhand von Schaubildern verdeutlicht, sondern auch ein Lösungsweg aus dem bisher ungelösten Pflegenotstand in Deutschland aufgezeigt. Dieser Weg führe vor allem über eine Aufwertung der sozialen Dienstleistungen.[spoiler]

Im Bericht werden auch 13 Stolpersteine näher beschrieben, auf die zu achten wären. Grob zusammengefasst sind laut der Analyse eine Ausweitung der Bezahlung nach Tarif, verbindliche Personalschlüssel und eine Verbesserung der Qualifizierung wichtige Bestandteile der Lösung.

Denn sogar die Bezahlung von Fachkräften in Pflegeberufen ist unterdurchschnittlich, die Arbeitsbelastung – vor allem durch den im weltweiten Vergleich schlechten durchschnittlichen Personalschlüssel – ist hoch und berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten in der Pflege gering.

Der gesamte Bericht ist reich an Fakten und empfehlenswert, auch um in die politische Debatte um den Pflegenotstand einzusteigen. Den gesamten Text samt Grafiken können Sie hier herunterladen.[/spoiler]

Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Gesundheit, Medizinische Versorgung 20.08.2015

Pflegenotstand in Deutschland

Pflegenotstand in Deutschland

Am 17.08.15 wurden in der Sendereihe Kontrovers des Deutschlandfunkes (DLF) die teils katastrophalen Zustände in der Pflege und in der Pflegeversicherung thematisiert. Zu Gast waren der Sozialpädagoge Claus Fussek und zwei Mitglieder des Gesundheitsausschusses: Elisabeth Scharfenberg (Grüne) und Erwin Rüddel (CDU). Viele HörerInnen kamen zu Wort und berichteten in teils deutlichen Worten von der drastischen Realität in Pflegeeinrichtungen, auf welche Herr Rüddel einen ganz anderen Blick hatte.[spoiler]

Zunächst zum Thema. Zur Zeit wird über das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) diskutiert. Lesen Sie mehr zur Diskussion um das PSG II in einen unserer Beiträge. Einige vereinbarte Maßnahmen stoßen auf Zuspruch, in einigen Stellungnahmen herrscht jedoch Skepsis, ob der tatsächliche Bedarf der zu pflegenden Menschen gedeckt werden kann. Mit anderen Worten: Kann der katastrophale Zustand in Pflegeeinrichtungen und in der Pflegeversicherung verbessert werden? Als Folge der Regelungen der Pflegeversicherung ist die Pflege durch Familienangehörige oder Privatleute schlechtergestellt, Familien die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, sind also meistens stark belastet.  Glaubt man den Aussagen des Großteils der HörerInnen, so sind weitereichende Maßnahmen als die des PSG II notwendig. Dabei ist das Thema nicht neu, der Pflegenotstand in der BRD fast so alt wie der Staat selbst.

Eine besondere Spannung des Beitrages macht aus, dass diese Äußerungen aus der Pflegerealität direkt an Akteure der Politik weitergegeben werden. Hierbei handelt es sich um einen Regierungsvertreter im Gesundheitsausschuss, Erwin Rüddel, und eine Oppositionsvertreterin, Elisabeth Scharfenberg. Der Moderator sorgt dafür, dass vor allem der CDU-Vertreter nicht zu leicht mit allgemeinen Floskeln der Debatte entkommt. Der Sozialpädagoge Claus Fussek kann die Berichte der HörerInnen mit Hintergrund- und Fachinformationen konkretisieren. Lesen Sie z.B. ein Interview mit Claus Fussek, in denen er seine Positionen begründet.

Viele HörerInnen berichteten von erlebtem Leid in Pflegeeinrichtungen, von schwierigen Situationen in der Pflege zu Hause oder von der eigenen Rolle und den eigenen Beobachtungen innerhalb des Pflegesystems. Daraus folgend wurden in dem Beitrag des DLF folgende Themen diskutiert:

Aus der geringen Organisation von Pflegekräften in Gewerkschaften folgt eine unzureichende Vertretung der Interessen von Pflegekräften. Wohlfahrtsverbände vertreten durch ihre Fachverbände eher die Arbeitgeberseite, es fehlen häufig echte Betriebsräte, die Pflegenden streiken zu selten. Streiks und Interessenvertretungen sollten nicht nur eine angemessenere Entlohnung zum Ziel haben, sondern vor allem bessere Arbeitsbedingungen und eine Verbesserung der Ausbildung. Die häufig kurze Ausbildung, die teilweise von den Auszubildenden selbst bezahlt werden muss, wird als problematisch gesehen. Aufgrund fehlender Akademisierung sind Pflegekräfte nicht auf Augenhöhe mit anderen AkteurInnen im medizinischen Bereich.

Eine Möglichkeit, Pflegende besser zu organisieren, sind die Pflegekammern. Diese können als echte Interessenvertreter für Pflegekräfte fungieren und sich für Qualität in Ausbildung und Arbeit einsetzen, dem Berufsbild damit auch eine lange vermisste Aufwertung bringen. Kritisiert wird, dass die Arbeit der Pflegekammern durch ihre Mitglieder finanziert werden soll, bei einer großen Zahl von Mitgliedern soll dieser Betrag aber klein gehalten werden. Das ist nicht nur bloße Theorie, denn z.B. in Schleswig-Holstein wurde kürzlich die Errichtung einer Pflegekammer vom Landtag beschlossen.

Im Beitrag des DLF werden noch weitere Vorschläge zur Verbesserung der Pflege gebracht. Hier ein Auswahl.

Regelmäßige, unangemeldete Kontrollen in Pflegeeinrichtungen.

Pflegende, Angehörige und ÄrztInnen sollten sich als Verbündete im Kampf um eine bessere Pflege sehen.

Politik sollte aktiv werden, auch wenn Pflegekräfte nicht auf die Straße gehen.

Die Gewerkschaft sollte sich trotz geringem Organisationsgrad mehr um die Belange der Pflegenden kümmern. Zum Beispiel mit Streikgeld auch für Pflegende, die kurz vor dem Streikbeginn in die Gewerkschaft eingetreten sind.

Akademisierte Ausbildung für Pflegekräfte oder für einen Teil der Pflegekräfte, um auf Augenhöhe mit den ÄrztInnen zu kommunizieren.

Höhere Beiträge von VielverdienerInnen und Vermögenden in die Pflegeversicherung.

In dem Beitrag können Sie noch mehr persönliche Erfahrungen, aber auch weitere Verbesserungsvorschläge erfahren. Sie können sich die gesamte Sendung vom 17.08. herunterladen und anhören.[/spoiler]

Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Gesundheit, Initiativen & Programme, Medizinische Versorgung 12.07.2019

Wirkung des Pflege-Sofortprogramms

Wirkung des Pflege-Sofortprogramms

Vergangenen Sommer kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein Sofortprogramm gegen Pflegenotstand an. Von den geplanten 13.000 neuen Stellen sei laut ARD-Magazin FAKT bislang jedoch keine bewilligt worden.[spoiler]

Das Thema Pflege wird in Deutschland immer häufiger diskutiert. Das liegt nicht zuletzt an den sich häufenden Berichten über teils katastrophale Zustände im Pflegebereich. Das Problem liegt vor allem am Pflegenotstand, es gibt zu wenig Fachkräfte, die die Qualifikation und Zeit haben, sich ausreichend gut um Patient/innen kümmern zu können. Im letzten Sommer kündigte Gesundheitsminister Spahn daraufhin an, mit einem Sofortprogramm für eine attraktivere Pflege zu sorgen. Dazu gehörte die Ankündigung, bis 2019 13.000 neue Stellen zu schaffen. Nun, ziemlich genau ein Jahr später, berichtet das ARD-Magazin FAKT vom 02.07.2019 allerdings, dass von diesen angekündigten Stellen bislang keine einzige im Rahmen des Sofortprogramms geschaffen worden sei. Lediglich 2.300 neue Stellen gebe es im Pflegebereich, die allerdings auf das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz zurückzuführen sei. Das Magazin stützt sich dabei auf Krankenkassenberichte, die bekanntgaben, keine weiteren Stellen bewilligt zu haben. Ein Problem bei der Schaffung neuer Stellen seien unter anderem bürokratische Hürden. [/spoiler]

Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Gesundheit, Medizinische Versorgung 11.05.2019

Urteil zur Pflichtmitgliedschaft in der Pflegekammer

Urteil zur Pflichtmitgliedschaft in der Pflegekammer

Die Pflichtmitgliedschaft in der Pflegekammer, welche eine Vertretung für Mitarbeiter/innen in der Pflege darstellen soll, verstößt laut dem Verwaltungsgericht Hannover nicht gegen das Grundgesetz.[spoiler]

Pflegekammern sind – in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz in Verbindung mit einer Pflichtmitgliedschaft und Mitgliedsbeiträge für die Pflegenden – ab 2017 eingeführt worden. Gegen die Pflichtmitgliedschaft klagte eine Geschäftsführerin eines Pflegeheims.

Sowohl die Pflichtmitgliedschaft als auch der damit in Verbindung stehende Pflichtbeitrag sind laut dem Verwaltungsgericht nicht zu beanstanden. Die Einrichtung der Kammern als Körperschaft des öffentlichen Rechts wurde als Maßnahme zur Verbesserung der Pflegeberufe gewertet und sei damit ein geeignetes Mittel, dem Pflegenotstand zu begegnen.

“In einer Gesellschaft, die durch den demografischen Wandel, die Veränderung der Familienstrukturen, den Fortschritt von Wissenschaft und Technik und durch einen Strukturwandel der Gesundheits- und Pflegeversorgung geprägt ist und die daher nach allgemeiner Einschätzung Maßnahmen der Verbesserung der Aus- und Weiterbildung in den Pflegeberufen sowie zur Steigerung von Qualität und Attraktivität des Pflegesektors insgesamt dringend bedarf, sei es naheliegend und verfassungsrechtlich unbedenklich, wenn der Staat durch Gründung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts – wie der beklagten Pflegekammer – einen Beitrag zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit standardgerechter Pflege leistet. Wegen des weiten Gestaltungsspielraums des Gesetzgebers stehe der Pflichtmitgliedschaft auch nicht entgegen, dass der überwiegende Teil der Pflichtmitglieder abhängig beschäftigt ist.”

Das gesamte Urteil kann hier nachgelesen werden.[/spoiler]

Aktuelle Beiträge Gesundheit, Medizinische Versorgung, Mobilität, Wohnen 14.09.2018

Transnationale Pflege – Literaturhinweise

Transnationale Pflege – Literaturhinweise

Bisher steht für 2,9 Millionen Menschen, die als pflegebedürftig anerkannt sind, eine unzureichende öffentliche Pflegeinfrastruktur zur Verfügung. Die tatsächliche Versorgung oder informelle Unterstützung erfolgt meist im privaten Kontext, die durch die Pflegeversicherung erstatteten Kosten sind oft nicht ausreichend. Betroffene bzw. deren Angehörige weichen in dieser Situation mitunter auf Pflegekräfte aus, deren Arbeitgeber/innen nicht in der BRD ansässig ist.[spoiler]

In dieser komplexen Situation ist nicht nur das Sozialrecht bzgl. der deutschen Pflegeversicherung, sondern auch andere Bereiche – wie z.B. das europäische Arbeitsrecht – wirksam. Es lohnt sich also, einen tieferen Blick in dieses arbeits- und sozialrechtliche Feld zu werfen. Dies hat die Bibliothek des Deutschen Zentrums für Altersfragen mit den Literaturhinweisen zu diesem Thema geleistet.

Zunächst liegen einzelner Werke bzw. Herausgeberbände zu dem Thema vor:

Arend, Stefan / Klie, Thomas (2017): Wer pflegt Deutschland? Transnationale Pflegekräfte. Analysen, Erfahrungen, Konzepte.

Hitzemann, Andrea (2012): Pflege und Migration in Europa. Transnationale Perspektiven aus der Praxis.

Kniejska, Patrycja (2016): Migrant Care Workers aus Polen in der häuslichen Pflege. Zwischen familiärer Nähe und beruflicher Distanz.

Krawietz, Johanna (2014): Pflege grenzüberschreitend organisieren. Eine Studie zur transnationalen Vermittlung von Care-Arbeit.


Folgende Beiträge in können in Sammelwerken gefunden werden:

Dauwalder, Bettina / Michel, Christine / Moretti, Mauro (2013): Würdig altern. Würdig arbeiten in Pflege und Betreuung. In: Baumann, Hans (Hg.): Care statt Crash, S. 33-40.

Dilger, Gerda (2015): Solidarität mit Pflegehelferinnen aus Osteuropa. In: Deutscher Caritasverband (Hg.): Caritas Jahrbuch 2016, S. 31-33.

Heger, Dörte (2016): Anerkennung und Missachtung in der Pflege. In: Dabrowski, Martin / Wolf, Judith (Hg.): Menschenwürde und Gerechtigkeit in der Pflege, S. 45-52.

Krause, Felix (2016): „Vulnerabilitätsrisiken“ in der Pflege. Eine sozialethische Analyse. In: Dabrowski, Martin / Wolf, Judith (Hg.): Menschenwürde und Gerechtigkeit in der Pflege, S. 9-44.

Krawietz, Johanna / Visel, Stefanie (2016): The perceived differences in the recognition of migrant care workers’ credentials in Germany. In: Karl, Ute / Torres, Sandra (Hg.): Ageing in contexts of migration, S. 187-197.

Krawietz, Johanna / Visel, Stefanie (2014): „Care at work“. Unterstützung für transnational Sorgende. In: Bähr, Christiane / Homfeldt, Hans Günther / Schröder, Christian / Schröer, Wolfgang / Schweppe, Cornelia (Hg.): Weltatlas Soziale Arbeit, S. 429-442.

Lutz, Helma / Palenga-Möllenbeck, Ewa (2015): Care-Arbeit, Gender und Migration. Überlegungen zu einer Theorie der transnationalen Migration im Haushaltsarbeitssektor in Europa: Meier-Gräwe, Ute (Hg.): Die Arbeit des Alltags. Gesellschaftliche Organisation und Umverteilung. Wiesbaden: Springer VS, S. 181-199.

Schneiders, Katrin (2013): Die Internationalisierung des Pflegesektors: Innovationsschub oder Qualitätsverlust? In: Soeffner, Hans-Georg / Kursawe, Kathy (Hg.): Transnationale Vergesellschaftungen, S. 1-12.

Senghaas-Knobloch, Eva (2016): Lücken und Krisen in Betreuung und Pflege – Ist transnationale Arbeitsteilung die richtige Antwort? Überlegungen in der Perspektive einer nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung. In: Ernst, Stephan (Hg.): Alter und Altern, S. 201-217.

Soom Ammann, Eva / Van Holten, Karin / Baghdadi, Nadia (2013): Familiale Unterstützungs- und Pflegearrangements im transnationalern Kontext. Eine Zweigenerationen-Perspektive. In: Geisen, Thomas / Studer, Tobias / Yildiz, Erol (Hg.): Migration, Familie und soziale Lage, S. 273-293.


Folgende Aufsätze sind Fachzeitschriften veröffentlicht:

Isfort, Michael (2016): Gradmesser für die Pflege. In: Häusliche Pflege, Heft 10, S. 38-41.

Bischofberger, Iren / Otto, Ulrich / Franke, Annette / Schnepp, Wilfried (2017): Pflegebedürftige Angehörige über Landesgrenzen hinweg unterstützen. Erkenntnisse aus zwei Fallstudien. In: Pflege & Gesellschaft, S. 84-93.

Neukirch, Sabine / Nebauer, Flavia / Krewer, Ann Marie (2015): Zwischen Nähe und Distanz. Immer mehr Familien greifen auf ausländische Betreuungskräfte zurück. In: Pro Alter; Heft 3, S. 50-53.

Rossow, Verena / Leiber, Simone (2017): Zwischen Vermarktlichung und Europäisierung. Die wachsende Bedeutung transnational agierender Vermittlungsagenturen in der häuslichen Pflege in Deutschland. In: Sozialer Fortschritt. Heft 3/4, S. 285-302.

Schirilla, Nausikaa / Kiekert, Jasmin (2016): Osteuropäische Betreuungskräfte: Ende des Pflegenotstandes? In: Neue Caritas, Heft 3, S. 23-25. [/spoiler]

Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Gesundheit, Medizinische Versorgung 20.06.2018

Spahn will Pflege attraktiver machen

Spahn will Pflege attraktiver machen

Jens Spahn (CDU), seit März diesen Jahres Bundesgesundheitsminister im IV. Kabinett Merkels, hat sich nun mehrfach zum Thema Pflege(-Notstand) ausgesprochen: Mit verschiedenen Maßnahmen wolle er die Pflege – und damit den Pflegeberuf – attraktiver machen. Fachleute sehen seine Vorhaben nicht nur positiv – den kritischen Stimmen reichen die Vorhaben bei weitem nicht aus.[spoiler]

So hat Spahn angekündigt, die Zahl der Pflegestellen durch ein Sofortprogramm bis zum nächsten Jahr (2019) auf 13.000 erhöhen zu wollen. Dies stellt eine Erhöhung der im Koalitionsvertrag festegelegten 8.000 Stellen und entspricht nun in etwa der Anzahl von stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Es würden also durch das Sofortprogramm im Durchschnitt je stationärer Pflegeeinrichtung eine weitere Stelle finanziert. Diese genannte Zahl trifft auch auf umfangreiche Kritik. Außerdem kündigte Spahn eine bessere Bezahlung durch Tarifverträge und eine sinnvollere Ausbildung an. Den Pflegenotstand zu bekämpfen bezeichnete er als eine seiner „größten Baustellen“.

Doch trotz großer Vorhaben und Versprechen unterging Spahn in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ schwerer Kritik. Weil es bundesweit immer mehr alte und pflegebedürfte Menschen gibt, dabei aber zunehmend weniger Personal, sei eine Erhöhung auf 13.000 Pflegestellen für eine echte Verbesserung nicht ausreichend. Wichtiger wäre es, so Andreas Westerfellhaus, Pflegebeauftrager der Bundesregierung, dass Pflegekräfte ihrer Beschäftigung länger nachgingen – oft werde der Beruf nämlich bereits nach wenigen Jahren wieder verlassen. Dieser Notstand in der Pflege könne verbessert werden durch bessere Arbeitsbedingungen für Pflegepersonal, – wie beispielsweise ein geringere Wochenarbeitszeit von 35 statt 39 Stunden – glauben Wohlfahrtsverbände. Darüber hinaus brauche es rund 60.000 – nicht 13.000 – zusätzliche Fachkräfte, rechnet der Sozialverband VdK.

Neben den benötigten Stellen steht auch der bisher nicht immer einheitliche Personalschlüssel in Kliniken in der Kritik, es werden dagegen einheitliche und verbindliche Personalschlüssel gefordert, um eine ausreichende Versorgung sicherszustellen.

Weiterer Kritikpunkt ist die Finanzierung zusätzlicher Fachkräfte über höhere Pflegebeiträge: Allein für die 13.000 neuen Stellen könne man mit 650 Millionen Euro rechnen. Bezahlen wolle dies Spahn vor allem über gesetzliche Krankenkassen, dazu sei jedoch eine Erhöhung des gesetzlichen Pflegebeitrags notwendig. Demnach fielen die entstehenden Kosten zulasten der Betroffenen – dies lehnen Patientenverbände ab. Trotz Erhöhung aber reiche das Geld aus der gesetzlichen Kasse bei Bedürftigen oft nicht aus, um anfallende Pflegekosten zu decken. Deswegen sorgen für ihren Lebensabend mittlerweile immer mehr Menschen mit privaten Pflegeversicherungen vor.

Zurecht also ist der Pflegenotstand eine der offiziellen Prioritäten im schwarz-roten Koalitionsvertrag: Denn gibt es nicht ausreichend Pflegepersonal, leidet die Qualität der pflegerischen Versorgung. Ob die angekündigten Maßnahmen zur Lösung des Pflegenotstandes ausreichen, wird angezweifelt.[/spoiler]

Aktuelle Beiträge Gesundheit, Termine & Veranstaltungen, Vernetzung 2.01.2018

Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit – 06. bis 08.06.2018

Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit – 06. bis 08.06.2018

Der zwanzigste Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist am 22.06.2017 zu Ende gegangen, welcher von insgesamt 8.250 Besucher/innen aus allen Bereichen des deutschen Gesundheitswesens genutzt wurde. Der Kongress stand unter dem Motto “Qualität und nachhaltige Finanzierung“, es wurden gegensätzliche Ziele innerhalb der Großen Koalition deutlich:[spoiler]

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, kündigte an: „Wir wollen die Weichen stellen, für eine Bürgerversicherung.“ Maria Michalk von der CDU sprach sich für einen Fortbestand der privaten Krankenversicherung (PKV) aus: „Die CDU/CSU-Fraktion ist die einzige, die an der Dualität festhält. Wir brauchen diesen Wettbewerb.“

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte der Bürger/innenversicherung bereits zuvor, beim Auftakt des Kongresses, eine Absage erteilt: “Das einzig Gute an der Bürgerversicherung ist der Name”, so Gröhe. Der Minister hob hervor, dass die PKV oft sehr schnell medizinische Innovationen aufgenommen habe und damit auch die Gesetzliche Krankenversicherung “unter Druck gesetzt” habe.

Als dringend notwendig bezeichneten es die gesundheitspolitischen Sprecherinnen aller vier Bundestagsfraktionen, dass sich die Politik in der kommenden Legislaturperiode der Verbesserung sektorübergreifender Versorgung annehme. Wenn man dies erreichen wolle, seien die Akteure des Gesundheitswesens allerdings wie „ein Bollwerk, gegen das man angehen muss”, kritisierte Hilde Mattheis (SPD).

Einigkeit herrschte auf dem Hauptstadtkongress auch darüber, dass nach der Bundestagswahl eine Neujustierung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs geben müsse. Um den Morbi-RSA weniger anfällig für Manipulationen zu gestalten, schlug die CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Maag vor, dass ambulante Diagnosen künftig nicht mehr berücksichtigt werden sollten. Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, erhob die Forderung, dass nicht nur die Morbidität der Versicherten Kriterium für die Zuweisung von Geldern aus dem Gesundheitsfonds sein dürfen, sondern vielmehr auch die Ausgeben jeder Krankenkasse für Prävention.

Ein Schwerpunkt des Kongresses war auch die Krankenhauspolitik. Staatssekretär Jens Spahn aus dem Bundesfinanzministerium bezeichnete die ungelösten Probleme des Krankenhaussektors als größtes Problem des deutschen Gesundheitswesens. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Bundesländer nach wie vor ihren Verpflichtungen zur Finanzierung von Investitionen nicht ausreichend nachkämen.

Der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner erklärte, nach der Krankenhausreform gelte es nun, „die Qualität und Patientengerechtigkeit noch weiter zu verbessern.” Grüttner kündigt an, Hessen werde daher “eigene und erweiterte Kriterien in den Krankenhausplan zur Notfallversorgung aufnehmen.“

Der auf dem Hauptstadtkongress vorgestellte Krankenhaus Rating Report 2017 kommt zu dem Ergebnis, dass sich die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser wieder leicht verschlechtert habe. Lag die Anzahl der Krankenhäuser mit erhöhtem Insolvenzrisiko im Jahr 2014 noch bei 8,6 Prozent, stieg sie in 2015, dem Untersuchungszeitraum des aktuellen Reports, auf 9,1 Prozent. Die Krankenhausstrukturen seien, so Prof. Dr. Boris Augurzky vom RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung, nach wie vor in einigen Regionen ungünstig, es gebe zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung. Allerdings habe der von 2016 bis 2018 eingesetzte Strukturfonds bereits eine gewisse Dynamik zur Optimierung entfacht und werde gut angenommen. „Es sollte grundsätzlich darüber nachgedacht werden, den Strukturfonds über das Jahr 2018 hinaus fortzuführen“, empfiehlt Augurzky.

Eine der herausragenden Veranstaltungen des im Rahmen des Hauptstadtkongresses stattfindenden Deutschen Ärzteforums war der Auftritt des Robotik-Pioniers Prof. Dr. Gordon Cheng. Cheng ist einer der weltweit führenden Köpfe in der Entwicklung neurosensitiver Roboter, die unter dem Schlagwort “Brain-to-Robot” für Furore sorgen. Eines seiner Projekte heißt “Walk again Project”: Querschnittsgelähmte lernen dabei zunächst, sich mithilfe eines sogenannten Exoskeletts, einer Art maschinell gesteuerten Overall, fortzubewegen. Das Exoskelett ist innen mit viel Sensorik ausgestattet, um möglichst viele trotz der Lähmung noch verbliebene Bewegungssignale abzufangen und in Bewegung umzusetzen. Das Erstaunliche: Nach ein paar Monaten Training beginnt die querschnittsgelähmte Person in gewissem Maße Bewegungen  wieder wahrzunehmen und sogar zu steuern. „Verantwortlich dafür ist vermutlich die sogenannte neuronale Plastizität. Das beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu organisieren”, erklärte Cheng auf dem Hauptstadtkongress.

Der Deutsche Pflegekongress, ebenfalls Teil des Hauptstadtkongresses, stand unter dem Eindruck der intensiven Gesetzgebung, mit der die Bundesregierung dem Pflegenotstand entgegentreten will. Peter Bechtel, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Pflegemanagement und zugleich Pflegedirektor am Universitäts-Herzzentrum Freiburg, warnte vor einer mangelhaften Umsetzung der von der Großen Koalition beschlossenen Personaluntergrenzen, die im kommenden Monat in ein Gesetz gegossen werden sollen: “Aus Personaluntergrenzen können schnell Personalobergrenzen werden, die dann keine Luft mehr für zusätzliches Personal lassen”, so Bechtel.

Der Präsident der rheinland-pfälzischen Pflegekammer, Markus Mai, sprach sich für eine stärkere politische Interessenvertretung für die Pflegeberufe aus. Nachdem es nun bereits in drei Bundesländern Pflegekammern gebe, müsse die Pflege auch auf Bundesebene eine starke Vertretung erhalten. „Das kann nur die Bundespflegekammer sein“, so Mai.

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2018 findet vom 6. bis 8. Juni 2018 statt. Mehr zum kommenden Kongress sowie weitere Rückblicke zu vorigen Kongressen finden Sie online. [/spoiler]

Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Gesundheit, Medizinische Versorgung 7.01.2017

Literaturhinweise: Arbeitsbelastungen in der Pflege

Literaturhinweise: Arbeitsbelastungen in der Pflege

Arbeitsbelastungen in der Pflege sind nicht nur für die Mitarbeiter/innen, sondern auch für die Klient/innen von Bedeutung. So geht es nicht nur um Belastungen an einem oft unzureichend vergüteten Arbeitsplatz sondern auch um die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen. Die Literaturempfehlungen hat die Bibliothek des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) zusammengestellt.[spoiler]

Mehrere Veröffentlichungen zum Thema Pflege finden sich auch auf den Seiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Auch auf diesem Portal sind zahlreiche Beiträge zum Thema nachzulesen, im letzten Jahr besonders in den Diskussionen um das Pflegeberufegesetz oder den Pflegenotstand. In dem Kontext sind auch die Literaturhinweise zur Ethik in der Pflege empfehlenswert sowie die Ausgabe 4/2016 der Zeitschrift “Forschung Aktuell” des Instituts Arbeit und Technik.

Der Artikel Ingebretsen / Sagbakken (2016): Hospice nurses emotional challenges in their encounters with the dying in der Zeitschrift “International Journal of Qualitative Studies on Health and Well-being” kann ebenfalls kostenlos online heruntergeladen werden.


Zunächst einige Sammel- bzw. Einzelwerke:

Belan / Schiller (2016): Helfen ohne zu heilen. Berufsbedingte Belastungen und Bewältigungsstrategien von Palliativpflegekräften.

Bomball / Niebuhr (2016): Was hält Pflegende gesund? Der Beitrag personaler Kompetenz zur Gesunderhaltung von Pflegenden : eine salutogenetische Analyse.

Günther (2015): Arbeit darf nicht krank machen! Psychische Belastungen in Pflegeberufen; eine ressourcenorientierte Gesundheitsförderung durch die betriebliche Sozialarbeit.

Lange (2015) Betriebliche Gesundheitsförderung in der stationären Pflege.

Oldenburger (2015): Untersuchung der Arbeitsbelastungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Pflegekräfte unter besonderer Berücksichtigung des Migrationshintergrundes.

Schmidt (2015): Burnout in der Pflege. Risikofaktoren – Hintergründe – Selbsteinschätzung.


Einzelne Beiträge aus Sammelwerken beschäftigen sich ebenfalls mit den Arbeitsbelastungen in der Pflege:

Beckmann (2016): Nicht unterkriegen lassen. In: Vincentz Network (Hrsg.): Stark gegen Stress: Belastung reduzieren, Widerstandskraft stärken: Wie Sie es schaffen, im Gleichgewicht zu bleiben (Altenpflege / Dossier), S. 26-31.

Buruck (2015): Evaluation von Gesundheitspräventionen in der stationären Altenpflege. In: Badura / Ducki / Schröder / Klose /  Meyer (Hrsg.): Fehlzeiten-Report 2015, S. 85-95.

Heger (2016): Anerkennung und Missachtung in der Pflege. Korreferat zu Felix Krause. In: Dabrowski / Wolf (Hrsg.): Menschenwürde und Gerechtigkeit in der Pflege, S. 45-52.

Hinding / Bhering-Soares (2015): Stressbewältigung und Burnoutprävention. In: Hinding / Kastner (Hrsg.): Innovativität als Erfolgsfaktor im demografischen Wandel: Trainingsmodule zur ganzheitlichen Förderung der Innovationskompetenzen von Beschäftigten in der Pflege und in der Sozialen Arbeit, S. 41-86.

Höhmann / Lautenschläger / Schwarz (2016): Belastungen im Pflegeberuf. Bedingungsfaktoren, Folgen und Desiderate. In: Jacobs (et al, Hrsg.): Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus (Pflege-Report 2016), S. 73-89.


Auch in Fachzeitschriften wurde sich dem Thema gewidmet, so z.B. in der NOVAcura:

Dhaini / Simon, / Zúñiga (2016): Wenn das Personal krank ist, leidet die Pflegequalität, S. 29-31.

Dhaini / Zúñiga / Simon (2016): Rückenschmerzen, erschöpft, krank bei der Arbeit?. Wie Arbeitsumgebung und die Gesundheit von Pflege- und Betreuungspersonal zusammenhängen, S. 33-35.

Heim (2016): Eine Sprache die verbindet … . Gewaltfreie Kommunikation im Alltag von Alters- und Pflegeheimen, S. 20-22.

Kubillus (2015): “Die Schattenwandler”. Pflegende im Nachtdienst, S. 14-16.


Pflegezeitschrift:

Ganter (2016): Die EL.IPS-Studie. Entscheidungen am Lebensende auf Intensivstationen, S. 662-666.

Mantz (2016): Keine Zeit – Wenn Druck und Stress das Denken, Sprechen und Handeln Pflegender mehr und mehr dominieren. Die Bedeutung von Sprachkompetenz in der Pflegepraxis, S. 265-267.

Schanz (2015): Die Pflege braucht Kraft. Resilienz als Kompetenz bei der Bewältigung hoher Arbeitsbelastungen, S. 88-92.

Schuster / Kohrst (2016): Belastung und ihre Bewältigung. Strategien für Pflegekräfte, S. 447-449.


Weitere Artikel:

Bassel (et al, 2016): Relationship between emotions, emotion regulation and well-being of professional caregivers of people with dementia. Research on Aging, S. 477-503.

Heinemann / Teigeler (2015): “Wieder spüren, was ich selbst brauche”. Burnout-Prävention. Die Schwester, der Pfleger, S. 16-19.

Knape / Teubner / Jager (2016): Prozessoptimierung in der Langzeitpflege durch die Implementierung der stationären Tourenplanung im Bezug zur Entlastung von Pflegepersonal. Heilberufe, S. 161-165.

Woodheid / Northrop / Edelstein (2016): Stress, social support, and burnout among long-term care nursing staff. Journal of Applied Gerontology, S. 84-105.

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Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Gesundheit, Medizinische Versorgung 12.05.2016

Bundesfamilienministerin würdigt die Arbeit von Pflegekräften

Bundesfamilienministerin würdigt die Arbeit von Pflegekräften

Anlässlich des heutigen “Internationalen Tag der Pflege” würdigte die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig die tägliche Leistung der Pflegefach- und Pflegehilfskräfte. Sie geht auch auf die Änderung durch Pflegestärkungsgesetze ein, zu denen Sie mehr in unserer Reihe zum Pflegenotstand lesen können.[spoiler]

Die Ministerin beschreibt die professionelle Pflege als eine der wichtigsten Dienstleistungen in der Gesellschaft: “Es ist deshalb auch dringend erforderlich, dass die Pflegekräfte bundesweit angemessen entlohnt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.”

Bei ambulanten Pflegediensten und in Pflegeheimen arbeiten in Deutschland mehr als eine Million Menschen. Trotzdem herrscht Fachkräftemangel in der Pflege. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssten laut der Ministerin vielfältige Anstrengungen unternommen werden, um die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Durch die geplante Reform der Pflegeberufe soll die Ausbildung attraktiver werden, die Fachkräfte sollen “für ihre vielseitigen Aufgaben in den unterschiedlichen Versorgungsbereichen bestens qualifiziert” werden. Frau Schwesig sieht “… darin auch eine große Chance, den Beruf – in dem immer noch überwiegend Frauen tätig sind – durch eine angemessene Vergütung weiter aufzuwerten und so mehr Lohngerechtigkeit zu schaffen. Gute Bezahlung beginnt schon in der Ausbildung: Deshalb wird die Ausbildung für die Azubis im neuen Pflegeberuf bundesweit kostenfrei sein. Statt Schulgeld zu zahlen, sollen sie eine Ausbildungsvergütung erhalten”.

Neben den mit dem Pflegeberufsgesetz angestrebten Verbesserungen sei es aber auch wichtig, dass Angehörigen, die die häusliche Pflege ganz oder teilweise übernehmen, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtert wird. Derzeit werden in Deutschland 1,85 Millionen Menschen zu Hause gepflegt – zwei Drittel davon ausschließlich durch Angehörige. Die Familienpflegezeit soll dies ermöglichen und die notwendige zeitliche Flexibilität bringen.

Dazu gelten laut dem Ministerium seit dem 1.1.2015 folgenden Regelungen:

  • 10-tägige Auszeit im Akutfall mit Lohnersatzleistung
  • Beschäftigte, die kurzfristig Zeit für die Organisation einer neuen Pflegesituation benötigen, können im Rahmen der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung bis zu zehn Tage der Arbeit fernbleiben. Neu ist, dass dies mit einem Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld verbunden wird – eine Lohnersatzleistung, die den Verdienstausfall in dieser Zeit zu einem Großteil auffängt.
  • Sechs Monate Pflegezeit mit zinslosem Darlehen
  • Beschäftigte haben wie bisher einen Anspruch auf eine vollständige oder teilweise Freistellung von bis zu sechs Monaten. Dieser Anspruch wurde durch einen Anspruch auf Förderung durch ein zinsloses Darlehen ergänzt.
  • Familienpflegezeit als Rechtsanspruch mit zinslosem Darlehen
  • Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit: Beschäftigte sind für die Dauer von bis zu 24 Monaten bei einer verbleibenden Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden teilweise freizustellen, wenn sie einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen. Auch sie haben Anspruch auf Förderung durch ein zinsloses Darlehen, um die Einkommenseinbußen abzufedern.

Umfassende Informationen und Hilfen gerade für pflegende Angehörige bietet das Pflegetelefon des Bundesministeriums. Es ist unter der Nummer 030-0179131 von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr zu erreichen – auf Wunsch vertraulich und anonym.[/spoiler]

Aktuelle Beiträge Arbeit & Beruf, Gesundheit 7.02.2016

Erwerbsminderungsrenten in der Krankenpflege

Erwerbsminderungsrenten in der Krankenpflege

Dass in vielen Krankenhäusern der Pflegenotstand droht, ist bereits heute absehbar: Aufgrund des demografischen Wandels gibt es für immer mehr ältere PatientInnen weniger Pflegekräfte auf den Stationen. Hohe Arbeitsbelastung, dafür wenig Anerkennung und Entlohnung lassen viele frühzeitig aus dem Beruf aussteigen. Ein Weg führt über die krankheitsbedingte Erwerbsminderung direkt in die Rente. Lesen Sie hier neben Erklärungsansätzen auch Handlungsempfehlungen dazu.[spoiler]

Die Publikation in der Reihe Forschung Aktuell des Institutes für Arbeit und Technik fasst zusammen, welche individuellen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren Erwerbsminderungsrenten in der stationären Pflege begünstigen können.

Erwerbsminderungsrenten (EM-Renten) erhalten Personen, welche aus gesundheitlichen Gründen nur noch wenige Stunden am Tag oder gar nicht mehr arbeiten können. Laura Schröer hat untersucht, wodurch die Motivation und die Möglichkeiten von Pflegekräften beeinflusst werden, bis zum Rentenalter im Beruf tätig zu bleiben. Eine wesentliche Ursache für die Inanspruchnahme von EM-Renten sieht die IAT-Forscherin im Konflikt der Beschäftigten zwischen ihrem ursprünglichen Berufsideal und dem betrieblichen Alltag, dem „Hamsterrad aus Stress“. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer der Patienten von 4,8 Tagen erleben viele Pflegekräfte ihre Arbeitssituation als „Rush-Hour rund-um-die-Uhr“. Der Personalmangel auf den Stationen führt zu erhöhtem Arbeitsdruck, beim Versuch diesen durch Mehrarbeit zu kompensieren stoßen viele zunehmend an ihre persönlichen Leistungsgrenzen. Folgen können Arbeitsunzufriedenheit und auch psychische Erkrankungen sein.

Diese Erkenntnisse sollten genutzt werden, um schon im Vorfeld Erwerbsminderungsrenten in der stationären Krankenpflege vorzubeugen, rät Laura Schröer. Denkbar wären entsprechende Ansätze im betrieblichen Gesundheitsmanagement und Rehabilitationsmaßnahmen mit Berufsbezug. Bestehende Rehabilitationsmaßnahmen sollten stärker berufsorientiert und präventiv ausgerichtet werden, um Weiterbeschäftigung zu ermöglichen und Erwerbsminderungsrenten in der Pflege zu vermeiden. Auch sollten Betriebsärzte und Führungskräfte durch Schulungen besser für die Probleme am Arbeitsplatz und Möglichkeiten der Prävention sensibilisiert werden.

Die gesamte Publikation können Sie online nachlesen.[/spoiler]

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