Lesen und Schreiben gehören zu den grundlegenden Fähigkeiten, auf welche nahezu jeder Mensch tagtäglich angewiesen ist. Sind diese nicht oder nur eingeschränkt vorhanden, sind Betroffene Stigmatisierungen ausgesetzt. Sie entwickeln Scham und soziale Ängste und sind je nach Schwere der Beeinträchtigung auf Unterstützung angewiesen. Auch vielen an Demenz erkrankten Menschen fallen Lesen und Schreiben schwerer, insbesondere das Textverständnis kann krankheitsbedingt abnehmen.
Die Nutzung digitaler Angebote erfordert ebenfalls gut ausgebildete Kompetenzen im Umgang mit Texten und schließt damit Personen mit Lern- und Leseschwierigkeiten von digitaler Teilhabe aus. Für mehr Barrierefreiheit diesbezüglich soll der Digital-Kompass sorgen. Dieses Online-Projekt hat kürzlich sein Angebot für Menschen mit eingeschränktem Leseverständnis um neue Funktionen ergänzt, die dabei zu helfen sollen, sich trotz eines Handicaps sicher im Internet zurechtzufinden.
Durch einfache Sprache (beispielsweise in Form kurzer Sätze und einer möglichst unkomplizierten Formulierungsweise) sowie diverse Schulungen und interaktive Aktionen für Betroffene und Interessierte wird das Thema sensibel und partizipativ behandelt. Damit das Angebot möglichst viele erreicht, werden gezielt Multiplikator*innen angesprochen, die Personen mit Lern- und Leseschwierigkeiten beim Erwerb digitaler Kompetenzen behilflich sein können. Mit der Auftaktveranstaltung in Berlin, die mehr als 50 Akteur*innen aus Gesellschaft, Politik und Praxis eine Plattform bot, um über die Bedeutsamkeit sprachlicher Barrierefreiheit im Netz zu diskutieren, wurde das Projekt vor einigen Wochen eröffnet.
Beteiligt an der Koordinierung und der Durchführung des Projekts sind sowohl die BAGSO als auch Deutschland sicher im Netz e.V.. Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz lobt das Angebot für sein praxisnahes und leicht verständliches Konzept: Man müsse für alle den Zugang zur digitalen Welt sicherstellen und gezielt digitale Kompetenzen stärken. „Genau hier setzt das Projekt ‚Digital einfach erklärt‘ an“, sagte die SPD-Politikerin anlässlich des offiziellen Projektbeginns. Ihr Ministerium fördert, wie auch mehrere Behinderten- und Verbraucher*innenverbände, den Digital-Kompass.
Das Projekt verfügt über ca. 300 Standorte in ganz Deutschland. Diese können vor Ort von Betroffenen genutzt werden, wenn sie Unterstützung im Umgang mit digitalen Geräten und/oder Medien benötigen. Auf diese Art und Weise können bedürftige Konsument*innen von der Barrierefreiheit auch im digitalen Rahmen zunehmend profitieren.

