Täglich kommt es in Deutschland zu Gewalt gegen ältere Menschen. Sie findet im häuslichen Umfeld ebenso statt wie in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern. Dabei kann es sich um körperliche, psychische, sexualisierte oder auch finanzielle Gewalt handeln. Viele Betroffene sprechen aus Scham, Angst oder Abhängigkeit nicht über ihre Erfahrungen, sodass von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden kann.
Anlässlich des Internationalen Tages gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni veröffentlichte die Bundearbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisation (BAGSO) eine Pressemitteilung, in der sie die Bundesregierung dazu aufruft, ältere Menschen konsequenter vor Gewalt zu schützen und Beratungsangebote auszubauen. Gerade niedrigschwellige Anlaufstellen seien wichtig, da sich viele Betroffene nicht unmittelbar an die Polizei wenden möchten.
Zudem verweist die BAGSO auf die 2024 beschlossene EU-Gewaltschutzrichtlinie. Diese verpflichtet alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, bis spätestens Mitte 2027 einheitliche Regelungen zu Schutz, Prävention und Strafverfolgung umzusetzen. Vorgesehen sind unter anderem Aufklärungskampagnen, Schulungen für Fachpersonal sowie der Ausbau von Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Die Richtlinie richtet sich zwar in erster Linie gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, nach Auffassung der BAGSO können viele der vorgesehenen Maßnahmen jedoch auch älteren Menschen zugutekommen.
Seit Langem fordern verschiedene Verbände, ältere Menschen besser vor Gewalt zu schützen. Die BAGSO spricht sich unter anderem dafür aus, ein Recht auf gewaltfreie Pflege gesetzlich zu verankern – ähnlich dem bereits bestehenden Recht auf gewaltfreie Erziehung. Dadurch sollen Betroffene ermutigt werden, Gewalterfahrungen anzusprechen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Der Internationale Tag gegen die Misshandlung älterer Menschen wurde 2006 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und macht in diesem Jahr zum 20. Mal auf Gewalt im Alter aufmerksam. Er soll das Bewusstsein für das Thema stärken und dazu beitragen, Prävention, Schutz und Unterstützung für ältere Menschen weiter auszubauen. Auch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) hat anlässlich des Aktionstages eine Stellungnahme veröffentlicht.

