Etwa jede*r fünfte Deutsche engagiert sich in einem Ehrenamt und trägt damit weit über das nötige Maß hinaus zum Gemeinwesen bei. Obwohl es sich dabei um freiwillige und zumeist unentgeltliche Tätigkeiten handelt, könnte das Ehrenamt zukünftig immer mehr an Relevanz gewinnen, wie der Blick auf die Situation der Pflege in Deutschland zeigt. Es handelt sich um eine potenzielle Möglichkeit, dem Personalmangel in Pflegeberufen entgegenzuwirken.
Um zu ermitteln, wie eine ehrenamtliche Tätigkeit bewertet wird, beauftragen die Malteser zweimal jährlich das Befragungsinstitut YouGov zwecks des sogenannten Ehrenamtsmonitors. Diese repräsentative Umfrage soll Aufschluss über die Offenheit der Bevölkerung gegenüber der Wahrnehmung eines Ehrenamtes geben.
Vor wenigen Wochen erschienen die Umfrageergebnisse des Ehrenamtsmonitors zum neunten Mal – der Schwerpunkt lag in diesem Fall auf der Pflege und den persönlichen Einsatz für ebendiese.
77 % der gut 2.000 Befragten blicken der Entwicklung der Pflegesituation hierzulande kritisch entgegen. Dass die Politik den Ernst der Lage erkannt hat und versucht, gegenzusteuern, glaubt dagegen nur jeder Zehnte.
Jeweils 14 % der Befragten wünschen sich, im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit von Angehörigen oder einem Pflegedienst umsorgt zu werden; es folgen Senior*innen-WGs (10 %) und Pflegeeinrichtungen (5 %), doch fast die Hälfte aller Befragten sind sich diesbezüglich noch nicht sicher.
Die Umfrage offenbarte auch die individuellen Sorgen vor dem Hintergrund der eigenen Pflege. Jeweils die Hälfte der Befragten befürchtet finanzielle Schwierigkeiten und/oder den Verlust der Selbstständigkeit, sollten sie auf eine pflegerische Versorgung angewiesen sein. Auch eine sinkende Qualität der Pflege (39 %), mangelnde gesellschaftliche Partizipation und daraus resultierende Einsamkeit (37 %) sowie eine Zunahme des Personalmangels (36 %) wurden genannt.
Rund 40 % aller Befragten – darunter mehrheitlich Frauen – haben bereits eine pflegebedürftige Person betreut, welche zumeist aus dem unmittelbaren Familienkreis stammte. Die Betreuung einer nicht bekannten zu pflegenden Person lehnt gut die Hälfte der Befragten eher oder komplett ab, wogegen nur ein Drittel bereit oder eher bereit hierzu wären.
Unter den befragten Personen, welche sich auch der Pflege einer fremden Person annehmen würden, gaben zwei Drittel an, den Pflegebedürftigen Gespräche und zwischenmenschliche Aktivitäten anbieten würden. 57 % wären bereit, Patient*innen zu Ausflügen und Terminen zu begleiten. Auf Unterstützung im Haushalt und die Mitgestaltung von Freizeitangeboten für Pflegebedürftige würde sich ebenfalls über die Hälfte aller Befragten einlassen. Die häufigste Begründung für die Bereitschaft, die Pflege fremder Personen zu übernehmen, war das Bewirken guter Taten (57 %), dicht gefolgt von der Linderung von Einsamkeit (56 %) und der Hoffnung auf eine eigene pflegerische Versorgung im Alter (53 %).
Der Anteil der Befragten, welche das Pflegen fremder Personen ablehnen, sollte Gründe für diese Haltung nennen. Dabei stellte sich heraus, dass jeweils 34 % aufgrund von Zeitmangel oder Berührungsängsten das Versorgen und Betreuen fremder Menschen vermeiden möchten. Ein Viertel gab eigene gesundheitliche Beschwerden als Grund an, während 24 % der Befragten Selbstzweifel als Kriterium nannten. Etwas seltener wurden die grundsätzliche Ablehnung unbezahlter Arbeit und mangelnde Informationen erwähnt.
Zuletzt wurden mögliche Anreize erfragt, um ein Ehrenamt in der Pflege attraktiver zu gestalten. Am häufigsten wurde mit 30 % eine Aufwandsentschädigung vorgeschlagen, auf Platz zwei und drei folgen Rentenpunkte und Vergünstigungen bei Preisen. Grundsätzlich waren die genannten Anreize fast ausschließlich materieller bzw. finanzieller Natur. Gut ein Viertel sagte jedoch aus, dass keinerlei Anreize notwendig seien.
Die Umfrageergebnisse sind auf der Seite der Malteser einsehbar, so wie auch alle weiteren bisherigen Umfragen des Ehrenamtsmonitors.

