Weiterlesen Bildung sei ein „Schlüssel zu gleichberechtigter Teilhabe“ und „der Wunsch, Neues zu erfahren, dazuzulernen und sich weiterzubilden“ daher auch unabhängig vom Lebensalter, wie es in einleitend in der Broschüre heißt. Bildung befähige zur Mitgestaltung, fördere die Persönlichkeitsentwicklung und mindere Einsamkeit. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl älterer Menschen in Verbindung mit den einschneidenden Veränderungen wie Digitalisierung und Klimawandel sei der Bedarf an Bildung auch im Alter groß wie nie. Daher müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Bildung bis ins hohe Alter ermöglichten. In der Publikation fordert die BAGSO zunächst, Bildung im Alter als politische Aufgabe zu verankern. Zwar gebe es in fast allen Bundesländern inzwischen Erwachsenenbildungsgesetze, nun müsste diese – und dabei auch Bildungsangebote für Ältere – finanziell angemessen gefördert werden. Im Schnitt liege der Anteil der Erwachsenenbildung am gesamten Bildungsbudget der Länder bei unter einem Prozent. Außerdem setzt sich die BAGSO für eine „Nationale Bildungsstrategie“ ein: „Um Bildungsgerechtigkeit und gleiche Teilhabechancen im Alter zu ermöglichen, ist eine nationale Strategie für Bildung im Alter notwendig.“ Bei deren Erarbeitung sollten beispielsweise auch Senior*innenvertretungen einbezogen werden. In der Broschüre wird zudem problematisiert, dass die Bildungsgelegenheiten bundesweit recht unterschiedlich verteilt seien. Neben einem Stadt-Land-Gefälle gebe es auch große Lücken im Norden und Osten des Landes. Es brauche daher weitere, kostengünstige und niedrigschwellige Angebote in den betreffenden Regionen – in ländlichen Gebieten seien gemeindeübergreifende Kooperationen auch an ungewöhnlichen Orten denkbar. Weitere Aspekte und Forderungen, die in dem Positionspapier erläutert werden, sind die Förderung thematischer Vielfalt, die Erhebung von Daten zum Bildungsverhalten Älterer, die Förderung von Transfers „guter Praxis“, die Stärkung der Geragogik sowie die Verbesserung der Informationen zu Bildungsangeboten. Zu dem 12-seitigen Papier gelangen Sie unter diesem Link.
Maßnahmen gegen Einsamkeit
Weiterlesen „Einsamkeit ist ein negatives Gefühl, das nicht erst seit der Corona-Pandemie im Leben vieler Menschen eine Rolle spielt“, heißt es einleitend in der Veranstaltungsbeschreibung auf der Internetseite des Kompetenznetz Einsamkeit. „Chronische Einsamkeit senkt die Lebensqualität und kann sich negativ sowohl auf die körperliche und psychische Gesundheit als auch auf das Denken, Verhalten und Erleben eines Menschen auswirken.“ Es handle sich demnach um ein vielschichtiges Problem, das bereits von Akteur*innen im bürgerschaftlichen Engagement, in der Sozialen Arbeit und in Forschung und Politik thematisiert werde. Die Konferenz, die von 10:00 bis 17:00 Uhr im Humboldt Carré in Berlin stattfinden soll, will das Thema Einsamkeit aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und ein gemeinsames Verständnis des Begriffs entwickeln. Die Konferenz soll zur Sensibilisierung beitragen und Strategien zur Bekämpfung und Vorbeugung von Einsamkeit diskutieren. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Engagierte, an Fachkräfte der Sozialen Arbeit, Politiker*innen, Forschende und Vertreter*innen von Wohlfahrtsverbänden und anderen Organisationen. Mehr zur Veranstaltung sowie Informationen rund um die Anmeldung finden Sie unter diesem Link.
Literaturhinweis: Perspektiven auf Einsamkeit
23. Mai 2022Weiterlesen Einsam sei, wer sich einsam fühle. Das betreffe 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, die Corona-Pandemie habe dies noch einmal verstärkt. „Wie entsteht Einsamkeit? Wie hängt Einsamkeit mit Selbstbild, Beziehungskompetenz, Lebenssinn zusammen? Welche theologischen Perspektiven gibt es in Bezug auf Einsamkeit?“ – das sind Fragen, denen sich der Sammelband unter anderem widmet. Für einen Blick auf Einsamkeit im Alter haben Silke Leicht, stellvertretende Geschäftsführerin der BAGSO und Franz Müntefering, der ehemalige Vorsitzende des Dachverbands, ein Kapitel geschrieben. Sie schildern die Lebenssituation der Älteren und zeigen Strategien gegen soziale Isolation auf. Das Buch ist bei der Evangelischen Verlagsanstalt erschienen. Herausgegeben ist der Sammelband im Auftrag der Diakonie von Astrid Giebel, Daniel Hörsch, Georg Hofmeister und Ulrich Lilie. Zum Thema Alterseinsamkeit empfehlen wir auch den Kurzbericht der Hochaltrigkeitsstudie D80+, der die Datenlage aufschlüsselt. Demnach habe sich das Einsamkeitsempfinden der Menschen über 80 Jahren tatsächlich im Zuge der Corona-Pandemie verdoppelt. Besonders auffällig sei die Situation in Heimen. Dort gebe nach der Studie etwa jede*r dritte Bewohner*in an, einsam zu sein.
Parteien zur Landtagswahl S-H: Senior*innenpolitik
27. April 2022Weiterlesen Senior*innenpolitik ist ein Querschnittsthema. So betrifft ein großer Teil politischer Themenbereiche auch das Leben im Alter unmittelbar: Die Daseinsvorsorge, (bezahlbarer) Wohnraum, Stadtplanung, Verkehrssicherheit und Mobilität, Umweltschutz und vieles mehr. Wir haben uns in diesem Rahmen auf die Forderungen konzentriert, die die Parteien ausdrücklich (auch) auf Senior*innen beziehen. Es handelt sich um eine Übersicht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Die jeweiligen Programme sind daher auch zum eigenständigen Weiterlesen verlinkt. Die CDU ist die größte Fraktion im Landtag und stellt derzeit mit Daniel Günther den Ministerpräsidenten. In ihrem Wahlprogramm haben sie senior*innenpolitischen Aspekten ein eigenes Unterkapitel mit dem Titel „Aktive Seniorinnen und Senioren – erfülltes und zufriedenes Leben im Alter“ gewidmet. „Wir setzen uns dafür ein, dass Seniorinnen und Senioren im Alter auskömmlich leben können“, heißt es darin. „Doch ist es auch Teil des Alterns, dass die Eigenständigkeit Einschränkungen erfahren kann, bei denen Seniorinnen und Senioren auf Familie, Fürsorge, Pflege und Unterstützung angewiesen sind.“ Deshalb wolle man beste Rahmenbedingungen für Lebensqualität im Alter schaffen. Dazu zähle das Älterwerden in gewohnter Umgebung. Dafür kündigt die CDU an, Handlungsempfehlungen für das „Wohnen im Alter“ zu erarbeiten. Altersgerechte Wohnformen sollen finanziell und ideell gefördert werden. Bedürfnisse von Senior*innen in Bezug auf bedarfsgerechte Infrastruktur und Verkehr sollen besser berücksichtigt werden. Dafür wolle die Partei die Senior*innenverbände bei der Verkehrsraumplanung mit einbeziehen und durch eine landesweite Kampagne über die altersspezifischen Bedürfnisse aufklären. Zur Stärkung der Mobilität im ländlichen Raum seien zudem Bürger*innenbusse oder Anruf-Linien-Fahrten (ALFA) wichtig. Die Angebote wollen die Christdemokrat*innen zu einem kreisübergreifenden System ausbauen. Ehrenamtstätigkeit sollen gefördert werden, die Höchstaltersbegrenzungen für bürgerschaftliches Engagement wolle man „auf den Prüfstand stellen“. Ein weiteres Thema, dass nicht nur, aber im Besonderen auch ältere Menschen betrifft, ist zunehmende Einsamkeit. „Ungewollte Einsamkeit macht krank und ein Leben in Würde wird immer schwieriger“, heißt es im Wahlprogramm. Daher wolle die CDU ein Konzept gegen Einsamkeit auf den Weg bringen und das Hilfesystem unterstützen. Außerdem sollen Bildungs- und Beratungsangebote unterstützt werden, die „die digitale Kompetenz und digitale Fitness der älteren Menschen fördern.“ Auch die Sozialdemokrat*innen haben ihre senior*innenpolitischen Ideen unter dem Titel „In Schleswig-Holstein kann man gut alt werden“ in einem eigenständigen Unterkapitel gebündelt. In dem SPD-Programm wird begrüßt, dass viele Senior*innen heutzutage gesellschaftlich engagiert sind: „Wir freuen uns über eine Generation, die sich stark ehrenamtlich engagiert und die kulturelle und touristische Vielfalt in Schleswig-Holstein schätzt.“ Dieses Engagement sei der „Kitt“, der die Gesellschaft heute zusammenhalte. Ziele einer modernen Politik für Senior*innen sei daher die Schaffung guter Rahmenbedingungen für nachberufliche Bildung, Kreativität und ehrenamtliches Engagement. Für ehrenamtliche Arbeit wolle man entsprechende Räumlichkeiten und Equipment bereitstellen. Doch viele ältere Menschen bräuchten auch gute Pflege. „Wir werden die Pflegeversorgung vor Ort umgestalten, verbessern und dabei den bewährten Grundsatz ambulant vor stationär in den Vordergrund stellen“, versprechen die Sozialdemokrat*innen in ihrem Programm. Zudem wolle man einen „präventiven Hausbesuch“ ab 75 Jahren einführen, welcher eine vorsorgende Beratung mit Blick auf eine altersgerechte Ausstattung der Wohnung beinhalten soll. Dieses Angebot soll auch Teil einer „Vor-Ort-für-Dich-Kraft“ sein, die die SPD in einem eigenständigen Kapitel ihres Wahlprogramms vorschlägt. Sie soll Angebotslücken vor Ort schließen. „Die Vor-Ort-für-Dich-Kraft ist immer vor Ort und im Dorf oder Quartier mit den Menschen bekannt. Sie ist in Kontakt und sucht die Menschen auf.“ Zur Verbesserung der Pflege- und Gesundheitsversorgung wolle man zudem Landesgesundheits- und Pflegekonferenz unter Einbeziehung der Bevölkerung und Akteur*innen im Gesundheitsbereich ausrichten. Auch vor dem Hintergrund einer Entlastung pflegender Angehöriger sollen Angebote der Kurzzeitpflege ausgebaut werden. Auch das Angebot des Pflegenottelefons wolle die SPD erweitern, um ungeklärte Pflegesituationen zu reduzieren. Der Demenzplan soll „wieder in den Fokus“ gerückt und weiterentwickelt werden. Im Wahlprogramm der Bündnisgrünen findet sich kein eigenes Kapitel zur Gruppe der Senior*innen. Trotzdem wird auch auf diese Altersgruppe stellenweise konkret Bezug genommen. Im Bereich „Lebenslanges Lernen und Medienkompetenz stärken“ – wie eines der Abschnitte des Programms betitelt ist – wird beispielsweise angekündigt, dass man sich für ein landesweites Netzwerk ehrenamtlicher Senior*innen-Medienlots*innen einsetzen wolle. Auch Senior*innentreffs und andere öffentliche Orte wie Büchereien oder Gemeindezentren wolle man zu „Erlebnisräumen für digitales Kennenlernen“ machen. Die digitale Teilhabe der älteren Generation solle so gestärkt werden. Zur Verbesserung der Erwachsenenbildung sollen außerdem die Volkshochschulen bei einem Ausbau ihrer Angebote unterstützt werden. Um speziellem Bedarf an Wohnräumen gerecht zu werden – dazu zählen die Grünen auch Senior*innen-WGs – soll zusammen mit Wohnungsbaugenossenschaften und sozialen Trägern ein Förderprogramm entwickelt werden, mit dem leichter Wohnungen getauscht und/oder umgebaut werden können, wenn sich die Bedarfslage ändert (z.B. ein hohes Stockwerk im Alter nicht mehr erreicht werden kann). Älteren Menschen wolle man zudem ermöglichen, geeigneten Wohnraum zu finden. Vielen sei es wichtig, im Alter im Quartier zu bleiben. Explizit an ältere Menschen gerichtete Mehrgenerationenhäuser unterstütze man, ebenso den Ausbau gemeinschaftlicher Wohnformen. Für barrierefreien Wohnraum sollen weitere Förderprogramme geschaffen werden. Beim Ausrichten der Infrastruktur an die Bewohner*innen sollen verschiedene Perspektiven wie die von Senior*innen mitgedacht werden. Alle wichtigen Ziele in einer Stadt sollen künftig innerhalb von 15 Minuten erreichbar sein. Mittels einer „familien- und generationsgerechten Stadtplanung“ sollen mehr Sitzmöglichkeiten oder öffentliche Toiletten geschaffen werden. Die Wege sollen zugleich sicherer und barrierearm werden, denn häufig seien Gehwege zu schmal oder Kantsteine zu hoch. Im Bereich der Pflege wolle man ambulante Pflegeformen ausbauen, die in ein Umfeld eingebettet sind, „das ältere Menschen dabei unterstützt, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.“ Außerdem soll Kommunen künftig verbindliche Pflegebedarfsplanungen vornehmen dürfen; unterstützt durch Mittel eines zu schaffenden Bundesprogramms für eine Anschubfinanzierung. „Was das Land jetzt braucht“ ist der Titel des Wahlprogramms der Freien Demokrat*innen. „Unsere Senioren: Ein Leben lang selbstbestimmt“ heißt der Abschnitt, in dem es um die älteren Menschen in Schleswig-Holstein geht. Gemeinsam „mit Jung und Alt“ sollen Konzepte zur Zukunftsgestaltung entwickelt werden. „Erst wenn die Vorurteile gegenüber dem Alter fallen, ist eine verantwortungsvolle und nachhaltige Politik für alle Generationen möglich“, heißt es zudem einleitend im senior*innenpolitischen Kapitel. Ein wichtiger Aspekt scheint der FDP das Thema Alterseinsamkeit zu sein, mit dem die Freien Demokrat*innen beginnen. Als Gegenstrategie wolle man den „intragenerationalen Austausch“ stärken und in dem Zusammenhang beispielsweise generationenübergreifende Wohnprojekte fördern. Auch ehrenamtliches Engagement älterer Menschen soll gefördert werden. „Wir halten nichts davon, Menschen aufgrund ihres Alters in unterschiedliche Gruppen zu trennen. Gemeinsam können wir mehr erreichen und uns gegenseitig unterstützen.“ Es gebe bereits viele innovative, an Senior*innen gerichtete Angebote in Schleswig-Holstein, diese müsse man jedoch auch finden. Die schleswig-holsteinische FDP schlägt dafür eine digitale Plattform vor, die die Projekte gebündelt darstellen soll. Der ÖPNV und die Barrierefreiheit müsse dringend weiter ausgebaut werden. Mobilität sei ein Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe. Gleichzeitig kündigt die FDP an, die Mobilität im Alter auch präventiv zu verbessern, z.B. durch den Ausbau von Gesundheitsberatungen oder Sportangeboten. Gezielt fördern wolle die FDP auch Bildungs- und Lernangebote, die sich an die älteren Generationen richtet. Dabei setze man auch auf Digitales. „Durch die Verlagerung vieler Lebensbereiche ins Netz verändert sich die gesellschaftliche Teilhabe.“ Auch digitale Lernangebote sollen entsprechend gefördert werden. Das Renteneintrittsalter wolle man flexibler gestalten, so das ältere Menschen selbst entscheiden können, wann sie in Rente gehen. Arbeit im Ruhestand solle attraktiver gestaltet werden. Auf Bundesebene wolle man durch Einführung einer „Basis-Rente“ Altersarmut entgegenwirken. Das Wahlprogramm des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW) sieht kein explizit an die Bedarfe älterer Menschen gerichtetes Kapitel vor. Im Unterschied zum Grünen-Wahlprogramm, das ebenfalls kein eigenständigen Abschnitt zu Senior*innen beinhaltet, finden sich im SSW-Programm jedoch auch sonst wenig Ausführungen, die die Zielgruppe der Älteren in den Blick nimmt. Stellenweise werden einige Forderungen aber mit Zusätzen wie „für alle Altersgruppen“ oder „alle Lebensalter“ versehen. So beispielsweise bei der Forderung nach kostenfreien Bildungsangeboten und der Gewährleistung kultureller Bildung. Konkret benannt wird das Thema Altersarmut. Um dem entgegenzuwirken, müsse die gesetzliche Altersvorsorge sozial gerecht ausgestaltet werden. Die Einführung der Grundrente sei dabei ein erster Schritt in die Richtung, langfristiges Ziel sei jedoch ein „solidarisches, umlagefinanziertes Versicherungssystem in Form einer Erwerbstätigenversicherung, welche alle Erwerbstätigen und Einkommensarten mit einbezieht und geschlechtergerecht ausgestaltet ist.“ Zahlreiche Vorschläge macht der SSW im Bereich der Pflege- und Gesundheitsversorgung. Dazu zählt die Behebung des Pflegenotstandes unter anderem durch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Einführung eines allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrags in der Altenpflege. Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum sollen verbessert werden, das Land solle auch die Sanierung sowie Neubauten von Kliniken „weiterhin tatkräftig“ unterstützen. Grundsätzlich strebe man einen Systemwechsel der Pflegeversicherung hin zu einer Vollversicherung (ohne Zuzahlungen) an. Auch zum Bereich Mobilität stellt der SSW eine Reihe von Forderungen auf, die allerdings nicht explizit auf die besondere Lebenslage älterer Generationen abzielen. Der SSW steht dem „motorisierten Individualverkehr“ eher kritisch gegenüber, in den Städten werde er zur „Belastung“. Deshalb müsse der ÖPNV weiter ausgebaut und fahrgastfreundlicher und kosteneffizienter werden. Bei den Themen Einsamkeit und Isolation will man ein kontinuierliches Monitoring, auf dessen Grundlage Projekte entwickelt werden könnten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkten.CDU
SPD
Bündnis 90/Die Grünen
FDP
SSW
Ältere Menschen und der Ukraine-Krieg
28. März 2022Weiterlesen Wie wir erst kürzlich berichteten, ist die Situation von älteren Menschen in bewaffneten Konflikten oft besonders schlecht. Sie sind weltweit immer wieder Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, schaffen es teilweise aus Gründen körperlicher Einschränkungen nicht zu fliehen und werden vielleicht sogar vom Rest der Familie oder Gemeinschaft allein gelassen. Auch im bewaffneten Ukraine-Konflikt seit 2014 habe es Menschenrechtsverletzungen an Älteren gegeben, wie Human Rights Watch dokumentiert. Seit dem 24. Februar dürfte sich die Situation dramatisch verschlechtert haben, als die russische Armee den aktuellen Angriff auf die Ukraine gestartet hatte. Das Thema beschäftigt auch Senior*innenverbände in Europa: Neben der Stellungnahme der AGE Platform Europe – einem europäischen Zusammenschluss zahlreicher Senior*innenorganisationen – hat auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) in Deutschland ihre Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck gebracht und gemahnt, auch die Lage älterer Menschen nicht zu vergessen. Doch auch Senior*innen in Deutschland, die nicht nur den Kalten Krieg miterlebt haben, sondern teilweise noch Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg haben, beschäftigt die Situation. Und wenn sie den Krieg nicht mehr selbst miterlebt haben, so hatten viele in der Nachkriegszeit doch mit den Traumata und Erinnerungen der Eltern umzugehen. Der Umgang mit dem derzeitigen Krieg war auch Thema in einer Sendung des Deutschlandfunks Mitte März. „Werden Ängste wieder wach? Wie Ältere mit dem Ukraine-Krieg umgehen“ ist der Name der rund 70-minütigen Beitrags, der unter diesem Link zu hören ist. Auch in dem neuen Podcast des Vereins Wege aus der Einsamkeit e.V., der durch die „Versilberten“ – so nennt der Verein Menschen über 65 Jahren – selbst produziert wird, ging es um Erinnerungen an den Krieg. Dazu heißt es auf der Internetseite von Wege aus der Einsamkeit: „Wir sind totale Laien auf diesem Gebiet [Podcasts zu erstellen] und gehen gerade, trotz fortgeschrittenen Alter, auf diesem Gebiet unsere ersten Schritte. Aber uns ist es wichtiger, die Geschichten zu erzählen, als auf eine perfekte Qualität zu achten. Geschichten, die, auch wenn sie angesichts des täglichen Grauen das überall auf der Welt präsent ist, für einige nicht das große Elend der damaligen Zeit spiegeln, für unsere Zeitzeugen sind es Erlebnisse die ihr ganzes Leben nachhaltig beeinflusst haben und sollen somit an die Sinnlosigkeit eines Krieges erinnern.“ Die Podcast-Folge kann unter anderem hier angehört werden.
Lübeck: Präventive Hausbesuche verlängert
23. März 2022Weiterlesen Die Hansestadt Lübeck setzt ihr Projekt, bei denen Senior*innen ohne Pflegegrad in Moisling und benachbarten Stadtteilen auf Wunsch besucht werden, um persönlich Informationen zur Hilfelandschaft zu erhalten, mindestens bis zum 31. Januar 2023 fort. Die Durchführung des Projekts wird weiterhin vom Caritasverband übernommen. Bei den Hausbesuchen auf Wunsch soll gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren überlegt werden, welche gesundheitlichen Präventionsmöglichkeiten es gibt und welche Unterstützung benötigt werden könnte. Außerdem sollen die persönlichen Vorstellungen vom Leben im Alter dabei besprochen werden. Auf der Internetseite der Caritas Lübeck heißt es dazu: „Wir besprechen mit Ihnen, wie Sie in Ihrer Wohnung gut alt werden können. Die Gespräche können bei Ihnen Zuhause oder an einem anderen Ort Ihrer Wahl stattfinden, wie auch den Räumlichkeiten der Seniorenberatung. Gerne können auch Angehörige oder Nahestehende Menschen am Gespräch teilnehmen. Die Gespräche sind vertraulich, kostenfrei und trägerneutral.“ Ziel des Projekts ist es unter anderem, ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen. Dabei soll die Beratung bereits vor Eintritt einer akuten Notlage („präventiv“) stattfinden, um ältere Menschen vorbeugend über passende Hilfsangebote aufzuklären. Das Projekt ist 2019 – zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren – ins Leben gerufen worden. In einem Interview mit dem Offenen Kanal Lübeck spricht Gabriele Beier, die bei der Hansestadt für die Umsetzung des kommunalen Gesamtkonzepts Leben und Wohnen im Alter – Älter werden in Lübeck zuständig ist, auch über die Erkenntnisse der bisherigen Laufzeit: „Die wichtigste Erfahrung ist, dass die Menschen sehr gerne ihre individuelle Thematik zu Hause besprechen“. Als größte Sorgen seien dabei der Verlust der Selbstständigkeit und Mobilität aufgetreten. Im Zuge der Corona-Pandemie sei auch das Thema Einsamkeit bedeutender geworden. Die Kolleg*innen vor Ort – so Beier weiter – würden bei den individuellen Wünschen oder Sorgen ansetzen, informieren und eine Wegweisung herstellen.
Weiterlesen Erst kürzlich haben wir auf ein Interview des SPIEGEL mit Dagmar Hirche vom Verein Wege aus der Einsamkeit e.V. hingewiesen, in dem einige Gedanken zum dem Thema Digitalisierung im Alter genannt worden sind. Die Vereinsvorsitzende, die Senior*innen kostenlos im Umgang mit digitalen Endgeräten schult, war auch am 09. Februar Teil des Podiums der Online-Veranstaltung. Mit ihr zusammen bildeten das Podium der digitalpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Maximilian Funke-Kaiser, Nicola Röhricht von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO), die dort die Geschäftsstelle Digitalpakt Alter leitet, und Luisa Lamm von der Initiative Digital für alle, die den jährlichen Digitaltag organisiert (mehr dazu hier). In der Veranstaltungsbeschreibung heißt es: „Immer mehr verlagert sich ins Internet, immer wichtiger wird der Zugang zum WLAN. Allerdings ist bislang höchstens ein Drittel der Alten-Einrichtungen mit WLAN ausgerüstet – und kostenlos ist es fast nirgendwo. Zudem fehlt es an Schulung und Begleitung der Senioren und Seniorinnen. Was fordern sie und ihre Verbände? Wie reagieren Wirtschaft und Politik?“. Die Podiumsdiskussion fand online über die Videokonferenz-Plattform Zoom statt und wurde aufgezeichnet. Den Mitschnitt finden Sie auf der Internetseite der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung oder direkt hier: https://youtu.be/8yljcNZf-Ic
„In allen Altenheimen kostenfreies WLAN“
28. Februar 2022Weiterlesen Schon seit Jahren setzt sich Dagmar Hirche für die Digitalisierung des Alters ein. Sie berät und unterstützt Senior*innen mit ihrem Verein Wege aus der Einsamkeit (WadE) im Umgang mit Smartphones oder Tablets, veranstaltet regelmäßige „Versilberer-Runden“ über die Videokonferenz-Plattform Zoom oder veröffentlicht Videos mit Tipps zum sicheren Umgang mit dem Internet. Dabei macht sie immer wieder klar, dass Digitalisierung eine Frage von Teilhabe ist. In einem Interview mit dem SPIEGEL („Kostenloses WLAN für alle Altenheime“ vom 12.02.2022) sagt sie, dass seit Beginn der Pandemie zurecht viel über den Digitalisierungsbedarf an Schulen gesprochen wird. „Aber warum werden immer die alten Menschen vergessen, wenn es um Digitalisierung geht?“, merkt sie in dem Gespräch kritisch an. „Das ist Altersdiskriminierung.“ Digitalisierung dürfe nicht bei der Generation 60 plus aufhören. „Das muss bei 120 aufhören.“ Das viele ältere Menschen noch zu den „Offlinern“ gehörten, sei problematisch, es gehe schließlich um Teilhabe. Ohne E-Mails, Smartphones oder der Möglichkeit, sich beispielsweise online fürs schwimmen gehen anzumelden – wie im Lockdown teilweise vorausgesetzt wurde – ist es mittlerweile schwierig geworden. Auf die Frage, was die WadE-Vorsitzende denn fordere, antwortet Hirche: „In allen Altenheimen kostenfreies WLAN – und zwar in allen Zimmern.“ Es nütze nichts, Internet nur im Aufenthaltsraum empfangen zu können, wenn man das Zimmer nicht mehr verlassen könne. Außerdem fordert Hirche „Schulungsangebote an jeder Ecke.“ Auch wenn häufig so getan würde, sei es nicht selbstverständlich, den Umgang mit Luca-App, Corona-Warn-App oder der App CovPass auf Anhieb zu verstehen. Hirche und ihre Mitstreiter*innen bieten selbst solche Schulungen an. Die meisten, die diese Unterstützung wahrnehmen, seien zwischen 72 und 88 Jahre alt.
Kompetenznetz Einsamkeit
23. Februar 2022Weiterlesen Das neue Kompetenznetz will Wissen zu dem Thema Einsamkeit bündeln und bestehende Wissenslücken schließen. Politische und gesellschaftliche Maßnahmen sollen dann daraus abgeleitet werden. Damit verfolge das Kompetenznetz Einsamkeit auch „das übergeordnete Ziel ein solidarisches Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern“, wie es auf der Internetseite des Präventionsprojektes heißt. Durchgeführt wird das Projekt durch das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V., das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) fördert das KNE mit zunächst rund einer Millionen Euro bis Jahresende. Unter dem Stichwort der Gesundheitsförderung hatten sich SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP bereits im Dezember veröffentlichten Koalitionsvertrag darauf geeinigt, „einen Nationalen Präventionsplan sowie konkrete Maßnahmenpakete z.B. zu den Themen Alterszahngesundheit, Diabetes, Einsamkeit, Suizid, Wiederbelebung und Vorbeugung von klima- und umweltbedingten Gesundheitsschäden“ zu schaffen. Leiter des neuen Projekts gegen Einsamkeit ist Benjamin Landes, der Direktor des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. In einer Pressemitteilung sagt er zum neuen Kompetenzzentrum: „Die Arbeit des Kompetenznetz Einsamkeit hat zum Ziel, die Strategien gegen Einsamkeit weiterzuentwickeln. Dazu wird das Thema aus zivilgesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Blickwinkeln betrachtet, um diese unterschiedlichen Perspektiven in den Austausch zu bringen. Es sollen Maßnahmen identifiziert werden, die der Vorbeugung und Bekämpfung von Einsamkeit dienen. Dabei legen wir einen Fokus auf die Praxis der sozialen Arbeit sowie auf vulnerable Gruppen, die ein besonderes Einsamkeitsrisiko haben.“ Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen) weist darauf hin, dass Einsamkeit keine Frage des Alters sei. Zudem betont sie den Netzwerk-Charakter des Projekts, welches die Ministerin am 10. Februar mit einem Grußwort bei der Auftaktveranstaltung offiziell gestartet hat: „Wir wollen bestehendes Engagement sichtbar machen und diejenigen zusammenbringen, die sich gegen Einsamkeit einsetzen. Bei diesem offenen Netzwerk sind alle eingeladen, sich einzubringen.“ Erst kürzlich berichteten wir über den vierten Kurzbericht der Hochaltrigkeitsstudie D80+, der sich mit dem Thema Einsamkeit auseinandersetzt. Bei Menschen im Alter von mindestens 80 Jahren habe sich das Einsamkeitsempfinden demnach durch die Corona-Pandemie verdoppelt.
Einsamkeit im hohen Alter: D80+
17. Februar 2022Weiterlesen Im Rahmen der bundesweiten Hochaltrigkeitsstudie wurden zwischen November 2020 und April 2021 mehr als 10.000 Menschen im Alte von mindestens 80 Jahren zu ihrer Lebenssituation befragt. Nach und nach werden die Ergebnisse der schriftlichen Befragung in thematischen Kurzberichten veröffentlicht. Im ersten Bericht ging es um die wahrgenommenen Auswirkungen der Corona-Pandemie, der zweite hatte Einkommen im Alter zum Thema. Die gesundheitliche Lage im hohen Alter war Gegenstand des dritten Kurzberichts. Der vierte Bericht dieser Art trägt den Titel „Einsamkeit in der Hochaltrigkeit“. Auch, wenn die Befragung schon unter dem Eindruck der Corona-Pandemie stattfand, fühlten sich 87,9 Prozent der Befragten nicht einsam. Mit 12,1 Prozent sei die Zahl der über 80-Jährigen, die unter Einsamkeit leiden, allerdings doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Die Ergebnisse zeigten jedoch eine unterschiedliche hohe Einsamkeitsquote nach Altersgruppen innerhalb der mindestens 80 Jahre alten befragten. Während die Quote im Alter zwischen 80 und 84 Jahren noch bei 8,7 Prozent liege, fühlten sich bei den Teilnehmenden im Alter von über 90 Jahren schon über 22 Prozent einsam. Auffällig ist, dass Frauen sich mehr als doppelt so häufig einsam fühlen würden wie Männer. Erstaunlich hoch ist die Quote auch bei Menschen, die in Heimen leben. Hier gebe laut Bericht jede*r dritte Heimbewohner*in an, einsam zu sein. Menschen mit schlechter subjektiver Gesundheit fühlten sich einsamer als jene, die sich gesund fühlen. Als Schutzfaktor gegen Einsamkeitsempfinden macht die Studie unter anderem Partnerschaften, ein großes soziales Netzwerk sowie einen hohen formalen Bildungsstand aus. Reaktionen auf den Bericht gibt es auch aus der Bundesregierung. „Als Gesellschaft dürfen wir hier nicht wegschauen“, regiert die neue Bundesseniorenministerin Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen) in einer Pressemitteilung auf den Bericht und das Thema Alterseinsamkeit. „Im Koalitionsvertrag haben wir daher vereinbart, die Einsamkeit im Alter überwinden zu helfen.“ Geplant sei beispielsweise, eine Strategie gegen Einsamkeit zu erarbeiten. Außerdem wolle man die rechtliche Institution der „Verantwortungsgemeinschaft“ einführen, was sich auch auf das hohe Alter auswirken würde. „Wenn verwitwete Menschen zusammenleben, tragen sie nicht nur füreinander Verantwortung, sondern beugen auch der Einsamkeit im Alter vor“, so Spiegel. Die Hochaltrigkeitsstudie D80+ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert und vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) und dem Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) durchgeführt. Bislang gebe es kaum Erkenntnisse über das hohe Alter in Deutschland – und das vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft – was Ausgangspunkt für die Studie war.









