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Gesellschaftliches Leben

Prof. Dr. Lessenich aus der Universität München lieferte mit seinem Vortrag „Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so: Zwischenbetrachtungen im Prozess der Aktivierung“ einen guten Einstieg in die Thematik des diesjährigen Bundeskongresses der Sozialen Arbeit. Wir bieten Ihnen eine Zusammenfassung des Vortrages und einen Audiomitschnitt.

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Allgemeine Informationen zum Bundeskongress und mehr zu Eröffnungsreden können Sie in unserem Artikel der letzten Woche nachlesen.

Sie können hier die komplette Rede, aufgeteilt in 2 Teile, nachhören:

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Bitte beachten Sie, dass die folgende Zusammenfassung natürlich nicht die Tiefe der Rede erreicht.

Dass gesellschaftliche Umbrüche festgestellt werden, wirkt manchmal regelmäßig. Dennoch verändert der europäische Sozialstaat seit zwei Jahrzehnten sein Gesicht. Lebensumstände werden individualisiert, die globale Ökonomisierung ist vorangeschritten. Die politische Umformierung wird mit dem Schlagwort Aktivierung beschrieben. Schon Bill Clinton sagte: „We have to end welfare as a way of life“, 1996 wurde ein neues Bundesgesetz in den USA erlassen. Die zeitliche Begrenzung von sozialen Hilfen führte in Deutschland zu „fördern und fordern“. Der modernisierte Staat soll BürgerInnen zu marktkonformen Verhalten bringen, wie z.B. Investitionen in die eigene Zukunft, je nach finanziellen Möglichkeiten. Es zeigt die Wahrnehmung, dass Marktwirtschaft alles besser könne. Es gebe kein richtiges Leben abseits von Markt und Arbeit. SozialstaatsbürgerInnen werden damit zu potentiellen Akteuren auf dem Arbeitsmarkt.

Die Wende zur Aktivierung kommt mit der Individualisierung der Problemen einher. Selbstverantwortlichkeit, Selbststeuerung und Eigenvorsorge: Die Sorge um die eigene Wohlfahrt ist selbstverständlich geworden. Ein vermeintlich passiver Leistungsbezug soll durch Akteure ersetzt werden. Die Sozialpolitik drängt damit jedoch nicht auf die Veränderung der problematischen Verhältnisse sondern reduziert sie auf als problematisch wahrgenommene Verhaltensweise. Politisch alltägliche Begriffe wie „Flüchtlingskrise“, „Langzeitarbeitslose“ und „Wirtschaftsflüchtlinge“ machen dies deutlich.

Die Streitfrage lautet: Was ist sozial? Normativ, also dass Soziales nur gut sein kann, verstanden, scheint es unmöglich, dass es neoliberales Soziales gibt. Aber die Zuschreibung von Sozialem muss nicht einen guten Anteil haben. Denn die neosoziale Tendenz ökonomisiert den sozialen Sektor. Z.B. soll die Selbststeuerung in gesundheitlicher Versorgung oder Rentenvorsorge die Gesellschaft schonen. Auch die Formulierung der „Überalterung der Gesellschaft“ sollte hinterfragt werden.

Als Zwischenfazit lässt sich feststellen: Ohne eine soziale Agenda gibt es keinen gesellschaftlich akzeptierten Neoliberalismus.

Der realexistierende Neoliberalismus versucht, sich als angepasst und im Dienst der Allgemeinheit darzustellen. Ideologisch und institutionell muss das Bild der angeblich notwendigen selbstverantwortlichen BürgerInnen vermittelt werden.

Wir erleben eine sozialpolitische Transformation. Nach dem Ende des Kalten Krieges ist der Ausbau des Sozialen im Westen nicht mehr notwendig. Es ist der Beginn einer Verschiebung von öffentlicher zu privater Verantwortlichkeit. Die Aktivierung soll ein neues Wachstumsmodell implementieren, welches auf die Befreiung des Marktes und der Eigenverantwortung basiert.

Die Aktivierungspolitik ist jedoch auf Akteure angewiesen, die sie umsetzt, sie ist also nicht alternativlos. Ein Beispiel liefern Beiträge zur sogenannten Flüchtlingskrise. Eine als einwanderungsfreundlich getarnte Rede des Bundespräsidenten enthält die Aussage „Unser Herz ist weit, Möglichkeiten sind endlich.“ Es wird von „Hunderttausenden aus fremden Kulturen“ gesprochen und als unangemessen bezeichnete Verhaltensweisen erwähnt. Aber: Geflüchtete sind keine bloßen Objekte von Grenzregimen. Sie sind Herren und Herrinnen ihres Lebens und ihrer Lebensgeschichte.

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Bis zum 2.10. fand in Darmstadt der 9. Bundeskongress der Sozialen Arbeit statt. Er trug den Titel „Politik der Verhältnisse – Politik des Verhaltens: Widersprüche der Gestaltung Sozialer Arbeit“. Lesen Sie hier zunächst allgemeine Informationen zum Bundeskongress und eine Zusammenfassung der Auftaktveranstaltung vom 30.9.2015.

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In den folgenden Wochen werden wir weitere Beiträge verschiedener Fachleute und ProfessorInnen aus Sozialer Arbeit und Geragogik präsentieren. Die Beiträge bauen aufeinander auf. In diesem ersten Teil können Sie einen Überblick über die Thematik gewinnen. Im zweiten Teil präsentieren wir Ihnen demnächst Impulsvorträge, welche den Widerspruch „Politik der Verhältnisse – Politik des Verhaltens“ vertiefen. Sie können unsere Zusammenfassungen dieser Vorträge nachlesen und sie auch im Originalton nachhören. Im dritten Teil wird dieser Widerspruch in seniorenpolitischen Themen beleuchtet.

Einen Überblick über die Veranstaltungen bietet zunächst das Hauptprogramm des Kongresses. Sie können sich auch unsere bisher veröffentlichten Artikel zum Bundeskongress anschauen.


Eine inhaltliche Einführung liefert Prof. Dr. Johannes Stehr, Mitorganisator des Kongresses:

Grundannahme vieler Veranstaltungen ist, dass eine Politik der Verhältnisse von einer Politik des Verhaltens verdrängt wurde. Es werden also personalisierte Konzepte von Verhaltenssteuerung in den Vordergrund gedrängt, die tatsächlich schlechten Rahmenbedingungen finden in politischen Diskussionen kaum Beachtung.

Anschaulich ist dies zur Zeit am Beispiel von Geflüchteten. Nicht Ungleichheit und Herrschaft werden thematisiert, sondern es wird ausgegrenzt, es wird sogar in "gute" und "schlechte Flüchtlinge" unterschieden. Sogenannte schlechte Flüchtlinge werden als "Wirtschaftsflüchtlinge" definiert und damit ausgeschlossen.

Auf dem Bundeskongress werden z.B. zentrale Konzepte neoliberaler Politik hinterfragt, auch Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit werden beleuchtet. Dazu sind die Veranstaltungen in vier Panels unterteilt.


Der Präsident der Hochschule Darmstadt, Prof. Dr. Ralph Stengler, wies in seiner Rede vor allem auf die verstärkten gesellschaftlichen Gegensätze in der Verteilung von Armut und Reichtum hin. Sozial ArbeiterInnen erfahren die gesellschaftliche Auswirkungen dieser Gegensätze direkt und unmittelbar, wie z.B. Arbeitslosigkeit, Armut, Ausgrenzung und Krankheit. Soziale Arbeit ist eine reflektierende Disziplin. Durch sie kann festgestellt werden, dass aus strukturellen Problemen individuelle Probleme gemacht werden. Der Fachbereich Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt hat Forschungsstärke und einen hohen Reflexionsgrad. Auch die übrigen MitarbeiterInnen und Studierenden der Hochschule profitieren vom Know-How des Fachbereiches.


Die Präsidentin der Evangelischen Hochschule Darmstadt, Prof. Dr. Marion Großklaus-Seidel, stellte fest, dass sich die Anzahl von älteren Menschen in der Gesellschaft weiter erhöhen wird, eine menschenwürdige Versorgung muss also gewährleistet werden. Aber nicht nur Ältere, auch viele andere Menschen sind von Ausgrenzung bedroht. Es ist daher Teilhabe und eine Kultur des Sozialen notwendig.


Jochen Partsch (Bündnis 90 / Grüne, Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt) weist auf eine notwendige Stärkung der Lebensverhältnisse in den Quartieren und die wichtige Rolle der Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit dabei hin. Ausgrenzungsprozessen muss widerstanden werden.

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Ehrenamt ist für viele Menschen eine Möglichkeit, den eigenen Interessen zum Nutzen Anderer nachzugehen. Es lohnt sich aber vor allem für Menschen, die nicht mehr allen Zwängen der Arbeitsgesellschaft nachgehen müssen. Sie haben so etwas mehr Zeit zur Verfügung, sich einer Tätigkeit zu stellen ohne sich über Entlohnungen und Zugangsberechtigungen den Kopf zerbrechen zu müssen. Damit halten sie viele soziale Dienste funktionsfähig, die ohne die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht mehr umsetzbar wäre.

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Das soziale Dienste auf die Unterstützung von kostenfrei arbeitenden angewiesen sind, zeigt den ausbaufähigen Zustand des sozialen Sektors und die geringe Anerkennung der Professionen dieses Sektors. Ein differenzierter Blick auf das System des Ehrenamts, welches vor allem von älteren Menschen getragen wird, lohnt sich also. Wir zeigen Ihnen daher hier eine Auswahl der Literaturempfehlungen der Bibliothek des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA). Erstens werden einige Werke empfohlen:

Bereswill, Mechthild;  Braukmann, Stephanie (2014): Fürsorge und Geschlecht. Neue und alte Geschlechterkonstellationen im freiwilligen Engagement Älterer. ISBN: 978-3-7799-2307-7.

Rosenkranz, Doris; Görtler, Edmund;  Limbeck, Brigitte (2014): Woher kommen künftig die Freiwilligen? Engagementplanung als Zukunftsaufgabe für Kommunen und Verbände. ISBN: 978-3-7799-2085-4.

Thiemann, Antonia Victoria (2014): Museen schlagen Brücken. Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen im Museum. ISBN: 978-3-631-65695-2.


Zweitens werden verschiedene Artikel und Buchauszüge empfohlen.

Wolter, Birgit (2013): Beteiligung älterer Menschen in der Quartiersentwicklung. In: Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Lebensphase Alter gestalten - gesund und aktiv älter werden: Nutzen und Praxis verhaltens- und verhältnisbezogener Prävention.

Baumgartner, Katrin;  Wanka, Anna (2014): Unruhestand am Land - Selbstbestimmtheit und Teilhabe älterer Frauen durch ehrenamtliches Engagement. In: Larcher, Manuela (et al, Hrsg.): Frauen am Land: Potenziale und Perspektiven.

Frerichs, Frerich (2014): Older volunteers in Germany: opportunities and restrictions in the welfare mix. In: Principi, Andrea (et al, Hrsg.): Active ageing: voluntary work by older people in Europe.

Hoffmann, Lothar (2014): Ältere freiwillig engagiert - im doppelten Sinne unbezahlbar. In: Erhardt, Martin (et al, Hrsg.): Altenarbeit weiterdenken: Theorien - Konzepte - Praxis.

Vogel, Claudia (2014): Aktives Altern. Freiwilliges Engagement vor und nach dem Eintritt in den Ruhestand. In: Kaudelka, Karin;  Isenbort, Gregor (Hrsg.): Altern ist Zukunft! Leben und Arbeiten in einer alternden Gesellschaft.

Haß, Rabea (et al, 2015): Neuland für die Freiwilligendienste - wie die Altersöffnung das Format verändern könnte. In: Bibisidis, Thomas (et al, Hrsg.): Zivil - Gesellschaft - Staat: Freiwilligendienste zwischen staatlicher Steuerung und zivilgesellschaftlicher Gestaltung.

Lehr, Ursula (2015): Das freiwillige Engagement älterer Menschen in einer Gesellschaft des langen Lebens. In: Klein, Ansgar (et al, Hrsg.): Jahrbuch Engagementpolitik 2015: Engagement- und Welfare Mix - Trends und Herausforderungen.

Ramos, Romualdo;  Wehner, Theo (2015): Hält Freiwilligenarbeit gesund? Erklärungsansätze und kontextuelle Faktoren. In: Wehner, Theo;  Güntert, Stefan Tomas (Hrsg.): Psychologie der Freiwilligenarbeit: Motivation, Gestaltung und Organisation.

Wagner, Bernhard (2015): Forschung als Medium zur Initiierung bürgerschaftlichen Engagements? Prämissen und überraschende Verläufe eines Praxisforschungsprojektes mit Senior_innen. In: van Rießen, Anne;  (et al, Hrsg.): Sozialer Raum und Alter(n): Zugänge, Verläufe und Übergänge sozialräumlicher Handlungsforschung.

Klein, Gabi;  Hoffmann, Daniel (2013): Freiwilliges Engagement als Ressource in der Arbeit mit älteren Menschen - aber wie? In: Pro Alter.

Schmitt, Eric (2013): Bürgerschaftliches Engagement Hochaltriger. In: Aus Politik und Zeitgeschichte.

Tomasik, Martin J.;  Silbereisen, Rainer K. (2014): Negotiating the demands of active ageing: longitudinal findings from Germany. In: Ageing and society.

Lüders, Sarah (2015): Gegenseitige Selbsthilfe in "Seniorengenossenschaften". Ein Diskussionsbeitrag zur Monetarisierung bürgerschaftlichen Engagements. In: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins für Öffentliche und Private Fürsorge.

Reckert, Wilfried (et al, 2015): Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen. Ein Praxisbericht aus Gelsenkirchen. In: Soziale Arbeit.

Reynolds, Kristin A. (et al, 2015): The experiences of older male adults throughout their involvement in a community programme for men. In: Ageing and society.


Drittens können Sie folgende Arbeit direkt online nachlesen:

Simonson, Julia (2013): Freiwilliges Engagement in der Pflege und dem Gesundheitswesen. In: Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.): Freiwilliges Engagement im pflegerischen Versorgungsmix.

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Mit europäischen NetzwerkpartnerInnen führt HelpAge Deutschland ein Projekt durch, das die EU-Entwicklungspolitik beeinflussen soll. Dabei steht das Thema "Alter und Entwicklung" im Fokus. Dazu fördert das Projekt die Sensibilität der verschiedenen nationalen Akteure.

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Um dies zu erreichen, werden u.a. Workshops und Treffen organisiert sowie Positionspapiere zu verschiedenen Themen publiziert. Auf europäischen Veranstaltungen, wie im Rahmen des europäischen Jahres für Entwicklung, stellt das HelpAge-Netzwerk neue Erkenntnisse und Trends vor.

Auf den Seiten von HelpAge können im Rahmen des Projektes veröffentlichte Publikationen heruntergeladen werden:

Mit den demografischen Entwicklungen Schritt halten: Forderungen an die Entwicklungspolitik der Europäischen Union – Positionspapier

Keeping pace with demographic change : Guidance on ageing for EU development policy

The EU’s role in achieving sustainable development for people of all ages, HelpAge EU network, European Year for Development 2015 : Call for Action

HelpAge EU network contribution to the EU Gender Action Plan II consultation

Women’s Economic Empoverment and Sustainable Development, Key messages on ageing and older women from the HelpAge EU network

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Die Landesverbände Schleswig-Holsteins der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) stellen die gemeinsame Jahreskampagne vor. Es wurde auch mit VertreterInnen aus Politik, Zivilgesellschaft, Pflegewissenschaft und Wohnungsbaugesellschaften über die Möglichkeiten des selbstbestimmten Lebens von Menschen mit Pflegebedarf diskutiert.

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"Als Wohlfahrtsverbände verstehen wir uns als Anwälte von Menschen in schwierigen Lebenslagen", erklärten der AWO-Landesvorsitzende Wolfgang Baasch und der SoVD-Landesvorsitzende Wolfgang Schneider bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages. "Deshalb ist es unser gemeinsamer Anspruch, fortwährend politische Positionen in die Gesellschaft zu tragen, aber auch konkrete Hilfsangebote zu machen." Die konkreten Hilfsangebote finden sich als Beratungsstellen der AWO und des SoVD, welche sich den Themengebieten Schulden, Pflege und Sozialrecht widmen.

"Der Fachkräftemangel und die aktuellen Weichenstellung in der Pflege, insbesondere das geplanten Inkrafttreten der zweiten Stufe des Pflegestärkungsgesetzes mit der Einführung eines neuen Pflegebegriffs, stellen uns vor große Herausforderungen", erklärte Wolfgang Baasch. Deshalb fordern AWO und SoVD die Gesellschaft und Politik mit der Kampagne dazu auf, sich gemeinsam mit den Verbänden vor allem für drei Themen stark zu machen. Diese drei Themen beinhalten erstens einen Branchentarifvertrag Soziales, in dem Löhne und Arbeitsbedingungen die Bedeutung des Pflegebereichs widerspiegeln; zweitens die fachlich fundierte Erfassung der tatsächlichen Pflegebedarfe der Menschen; drittens die Ausgestaltung der Pflegeversicherung als Bürgerversicherung. Um diese Themen von der Politik in die Bevölkerung zu tragen, ist im Rahmen der Kampagne ab dem Frühjahr 2016 ein intensiver Bürgerdialog geplant.

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und ihre 112 Mitgliedsorganisationen haben zum 11. Deutschen Seniorentag 2015 eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Lesen Sie hier, wie man diese auch im Hinblick auf vorige Erklärungen lesen kann.

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Diese "Frankfurter Erklärung" von mehr als 100 Organisationen kann naturgemäß auch als Kompromissergebnis verstanden werden. Allerdings sind die OrganisatorInnen nicht ungeübt im Verfassen dieser Erklärungen. Beim vorigen Seniorentag, der 2012 in Hamburg stattfand, folgte ebenfalls eine "Hamburger Erklärung" mit dem Titel "Ja zum Alter". Nach dem 9. Seniorentag hieß es 2009 in der "Leipziger Erklärung" "Alter leben – Verantwortung übernehmen". Wer weiter zurückblicken möchte, kann auch die Erklärungen aus den Jahren 2006 ("Alter als Chance in einer Gesellschaft des langen Lebens") und 2003 ("Zusammenarbeit in Europa: Senioren für Frieden und Sicherheit") betrachten. 2003 nimmt einen gesamteuropäischen Blick ein, die übrigen hier genannten bleiben allgemein bzw. beziehen sich auf die Bundesebene.

Ein Vergleich der Erklärungen von 2006 bis 2015 bietet sich also durchaus an. Während in den vergangen Jahren der Schwerpunkt der Erklärungen auf Engagement und Übernahme von Verantwortung gelegt wurde, ist in diesem Jahr erstmalig die Thematik der sozialen Sicherheit und Gerechtigkeit das erste und wiederkehrende Thema. In den vorigen Erklärungen schien der Blick mehr darauf gerichtet zu sein, was SeniorInnen für sich und andere tun können. Zwar hieß es schon 2006 "Seniorinnen und Senioren verhalten sich solidarisch und erwarten das auch von anderen Generationen", 2009 wird aus der Erwartung ein Aufruf an andere Generationen und gesellschaftliche Akteure, an einem gesamtgesellschaftlichen Bündnis teilzunehmen. 2012 wird die positive Betrachtung des Alters betont und mehr Möglichkeiten zum Engagement und zur Selbstbestimmung z.B. im Wohnen gefordert. Der Umbau der Systeme der sozialen Sicherung wird "mit großer Sorge" betrachtet, konkrete Forderungen werden in drei knappen Absätzen genannt.

In der aktuellen Erklärung scheint jedoch ein Wandel zu beobachten zu sein. Der Schwerpunkt verschiebt sich von der Erwartungshaltung hin zu selbstbewussteren Forderungen. Soziale Sicherheit und Gerechtigkeit bilden das erste Thema, welches im weiteren Verlauf der Erklärung immer wieder in der Forderung nach mehr Solidariät erkennbar ist. Häufig wird anhand von Beispielen auf die ungerechte Entwicklung der Gesellschaft hingewiesen. Diese, trotz des Kompromisscharackters dank 112 beteiligter Organisationen, deutlicheren Formulierungen sollten EntscheidungsträgerInnen in der Sozial- und Seniorenpoltik nicht ignorieren.

Um sich ein eigenes Bild zu machen, können Sie die gesamte  Frankfurter Erklärung mit dem Titel "Gemeinsam in die Zukunft" online nachlesen.

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Der Radiosender WDR 4 strahlte einen Bericht vom 11. Seniorentag aus, welcher vom 02. bis 04.07.15 stattfand.

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Eine Reporterin besuchte den Seniorentag und kann von persönlichen Eindrücke berichten, die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) kommt ebenfalls zu Wort. Neben Projekten, welche auf dem Seniorentag vertreten waren, werden auch Beiträge von PolitikerInnen der vergangenen Jahre ausschnittsweise vorgestellt. Den gesamten Beitrag können Sie sich online anhören bzw. runterladen. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der BAGSO.

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Die unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) weist auf eine Änderung zur Regelung des Krankengeldes hin, die für alle ArbeitnehmerInnen relevant sein kann, die ihre Krankschreibung verlängern.

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Zukünftig werden weniger Patienten ihren Anspruch auf Krankengeld wegen formaler Fehler verlieren. Nach dem heute im Bundestag verabschiedeten "Versorgungsstärkungsgesetz" reicht es dann, dass der Arzt eine Folgekrankschreibung erst ab dem nächsten Werktag ausstellt. Bisher mussten sich die alte und neue Krankschreibung zwingend um einen Tag überlappen. Sonst entstand eine "Anspruchslücke" und die Krankenkasse konnte die Zahlung des Krankengeldes gänzlich einstellen. Die Neuregelung soll im Sommer dieses Jahres in Kraft treten.

Dazu Stephanie Jahn, Geschäftsführerin UPD: "Ohne wieder fit für den Job zu sein, bekamen die Betroffenen kein Geld mehr von der Kasse und mussten sich Sorgen um ihre finanzielle Existenz machen. Gleichwohl gilt auch nach der Gesetzesänderung, dass die Krankschreibung lückenlos sein muss. Krankengeld-Empfänger müssen also spätestens am ersten Tag nach ihrer bisherigen Krankschreibung zum Arzt gehen und sich die Folgekrankschreibung holen. Auch wichtig: Der Arzt kann nicht rückwirkend krankschreiben, um eine entstandene Anspruchslücke aufzuheben."

Die UPD berät per Gesetz kostenlos und neutral zu allen Gesundheitsfragen und informiert den Patientenbeauftragten der Bundesregierung jährlich über
Problemlagen im Gesundheitswesen. Patienten erreichen die UPD nicht nur online sondern auch in drei Sprachen am Telefon:

Deutsch: 0800 0 11 77 22 (Mo bis Fr 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr)

Türkisch: 0800 0 11 77 23 (Mo / Mi 10-12 Uhr, 15-17 Uhr)

Russisch: 0800 0 11 77 24 (Mo / Mi 10-12 Uhr, 15-17 Uhr)

Fragen zu Arzneimitteln werden unter 0800 0 11 77 25 (Mo / Di / Do 9-16 Uhr, Mi / Fr 9-13 Uhr) beantwortet.

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Mehrere Organisationen suchen aktive Ältere im Netz. InternetnutzerInnen ab 60 Jahre und Ehrenamtliche können mit Online-Projekten teilnehmen. Wie das funktioniert und wer hinter dem Internetpreis steht, verraten wir Ihnen auf dieser Seite.

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), Deutschland sicher im Netz (DsiN), der Hamburger Verein Wege aus der Einsamkeit und Google Deutschland rufen bis September 2015 Internetnutzer ab 60 Jahren auf, Projekte, Aktionen oder Publikationen zur kompetenten Nutzung des Internets einzureichen. Gute Initiativen, die mit dem Internet umgesetzt werden, haben die Chance auf Preise im Gesamtwert von 5.000 Euro.

Unter dem Motto "Ältere Menschen aktiv durch die digitale Welt" will der Goldene Internetpreis gute Beispiele zeigen, wie Online-Mobilität die Lebensqualität im Alltag verbessern kann – für einen souveränen Umgang von SeniorInnen im Netz. Jedoch gehören Ältere auch zu der Gruppe, die einen erhöhten Aufklärungs- und Unterstützungsbedarf für den sicheren Umgang mit dem Internet hat, so das Ergebnis der aktuellen Studie "DsiN- Index – Digitale Sicherheitslage der Verbraucher in Deutschland". Ausgezeichnet werden Personen und Projekte in zwei Kategorien.

Die erste Kategorie richtet sich an kompetente Alltagsnutzer: Menschen, die beispielsweise mit FreundInnen über das Internet kommunizieren, Routen planen oder eigene Webseiten betreiben.

Zweitens werden Einzelpersonen oder Initiativen gesucht, die ihr Wissen an andere Interessierte weitergeben. Das können ältere Fachleute sein, die Gleichaltrigen einen Zugang zu den Angeboten der digitalen Welt verschaffen oder jüngere Menschen, die Ältere ins und im Netz begleiten. Auch EnkelInnen und Freunde von SeniorInnen können Vorschläge einreichen.

Kreativität ist in beiden Kategorien gefragt. Die OrganisatorInnen freuen sich über alle Einreichungen, ob als Film oder Erfahrungsbericht, Kursmaterial, als E-Book, auf DVD oder in anderen digitalen Formaten bis zum 04.09.2015.

Bewerbungen und Vorschläge können online eingereicht werden.

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Am 04. Juni 2015 fand in Rendsburg die Veranstaltung "Gut zusammen leben in Schleswig-Holstein – die Chancen des demografischen Wandels" statt, wir berichteten im Vorfeld. Die Organisatoren waren das Sozialministerium Schleswig-Holstein und der Paritätische Wohlfahrtsverband Schleswig Holstein. Hier finden Sie die Dokumentation dieser Tagung.

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Nach der Begrüßung durch Sozialministerin Kristin Alheit und Vorstand Günther Ernst-Basten unter der Moderation von Carsten Kock referierten Prof. Dr. Horst W. Opaschowski und Dr. Christoph Rott.

Der Zukunftsforscher Prof. Dr. Horst W. Opaschowski stellte in seinem Vortrag „Vom Ich zum Wir – Zukunftschancen einer neuen Zusammenhaltsgesellschaft“
die Zukunftssorgen und die Zukunftshoffnungen gegenüber und leitete daraus zehn Zukunftstrends ab, die sie hier nachlesen können. Zum Abschluss seines Vortrages erläuterte Prof. Dr. Horst W. Opaschowski seine "Zehn Gebote für das 21. Jahrhundert".

Dr. Christoph Rott vom Institut für Gerontologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg setzte sich in seinem Vortrag u. a. mit den positiven Folgen des demografischen Wandels auseinander. Einer seiner Schwerpunkte waren die Möglichkeiten, durch individuelles und gemeinschaftliches Handeln die Alterswünsche von Menschen zu verwirklichen und Altersrisiken zu minimieren. Die Präsentationsfolien des Vortrages von Dr. Rott haben wir ebenfalls für Sie bereitgestellt.

Danach erläuterten Holger Wittig-Koppe und Bettina Süphke in ihrem Vortrag "Bürgergesellschaft erlebbar machen – aktivierende und inklusive Gemeinwesenarbeit in Schleswig-Holstein" die Angebote und Handlungsweisen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Schleswig-Holstein e. V. Im Mittelpunkt stand dabei die Befähigung von BürgerInnen sowie Organisationen und EntscheidungsträgerInnen, gemeinsam Mitwirkungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten entwickeln, organisieren und unterstützen zu können. Die Folien des Vortrages, bei dem insbesondere auf das Projekt „Bürgernetzwerke für Schleswig-Holstein“ eingegangen wurde, finden Sie hier.

Zum Abschluss ging es bei einer moderierten Gesprächsrunde um die Frage, wie das gute Zusammenleben in Schleswig-Holstein gelingen kann. Auf der Bühne diskutierten Jörg Bülow (Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages), Renate Wohlert (bürgerschaftlich Engagierte aus Schafstedt), Annelies Petersen (Geschäftsführerin der Lebenshilfe Flensburg) und Holger Wittig-Koppe (Teamleiter beim Paritätischen S-H).

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www.seniorenpolitik-aktuell.de
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