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25. Januar 2018

Interkulturelle Vielfalt im altengerechten Quartier

Viele ältere Migrant/innen der ersten Generation wollen in Deutschland bleiben und ihren Lebensabend verbringen. Wie in der BRD geborene Senior/innen haben sie den Wunsch, möglichst lange in der vertrauten Umgebung zu bleiben, sich selbst versorgen zu können sowie Kontakte und Begegnung mit der Nachbarschaft zu halten.

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Wie sich „interkulturelle Vielfalt im altengerechten Quartier“ für eingewanderte und einheimische Personen gemeinsam gestalten lässt, war Thema eines Fachtages des Landesbüros altengerechte Quartiere.NRW im Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. 150 Interessierte aus Wissenschaft und Praxis suchten und gaben Impulse für die Quartiersarbeit.

Die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter hob die Notwendigkeit hervor, angesichts des demografischen Wandels altengerechte Strukturveränderungen in den Quartieren vorzunehmen. „Diesen Wandel müssen wir gestalten, nicht einfach auf uns zukommen lassen!“ Dabei gelte es, die Vielfalt der Bedürfnisse zu berücksichtigen und die interkulturelle Öffnung voranzubringen. „Das kann in jedem Quartier anders sein, ein Patentrezept gibt es nicht.“

„Interkulturelle Kompetenz“ als Basis der Verständigung beleuchtete Dr. Mohammed Heidari, Waik-Institut Köln. In der Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Glaubenszugehörigkeit und Sprache müsse statt „starrer Kulturalisierung“ Sensitivität für die Vielfalt entwickelt werden. „Wir müssen die Probleme benennen und lösen. Wenn man die Knackpunkte in der Kommunikation erkennt, stellt man fest, dass sie zum größten Teil auf beiderseitigen Missverständnissen beruhen.“

Ergebnisse aus der Sinusstudie zu den Milieus und Lebenswelten älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte stellte Klaus Gerhards, iD-Agentur-Ruhr vor. Die Migranten-Milieus unterscheiden sich weniger nach Herkunft und sozialer Lage als nach ihren Wertvorstellungen und Lebensstilen. Die hier lebenden älteren Migrant/innen leben zu überdurchschnittlich hohen Anteilen im „traditionellen Arbeitermilieu“ (43%) und „religiös verwurzelten Milieu“ (22%). Die erfolgreiche Etablierung im Aufnahmeland hängt von der Bildung, aber auch von der Herkunftsregion ab – ist diese urbaner, funktioniere die Integration besser.

Beispiele aus der Praxis brachte die Podiumsdiskussion. Denn die Zielgruppe der älteren Migrant/innen ist oft nicht einfach zu erreichen. „Wenn es ums Feiern geht, funktioniert Integration wunderbar“ stellten die Praktiker/innen aus verschiedenen Quartiersentwicklungsprojekten des MGEPA in NRW einhellig fest. Bei Fachthemen wie Wohnen, Mobilität oder Gesundheit wird es schwieriger. Viele Ideen gibt es: Ansprache in der Muttersprache direkt, mit Flyern, in Workshops, Islamunterricht an Schulen, kultursensible Spaziergänge im Quartier. Einig war man sich, dass die Quartiersarbeit „Türöffner“ braucht: Multiplikatoren, die Brücken bauen. Die „Expert/innen vor Ort“ müssen mit ins Boot, auch Wohnungsgesellschaften, Vereine, Sozialarbeiter/innen oder Ärzt/innen können helfen, Türen zu öffnen. Weitere Informationen finden Sie online.

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