Nicht nur der individuelle Lebensstil hat Einfluss auf unsere Gesundheit und unsere Lebenserwartung. Eine irische Studie befasste sich mit den Auswirkungen der politischen Situation vor Ort auf den Alterungsprozess.
Forscher*innen vom „Global Brain Health Institute“ am Trinity College Dublin haben den „Bio-Behavioral-Age-Gap“ (der Unterschied zwischen dem biologischen und dem durch das Verhalten beeinflusste Alter) von knapp 162.000 Senior*innen aus 40 Ländern untersucht und miteinander verglichen. Dabei wurden neben gesundheitlichen Aspekten auch sozio-ökonomische und politische Komponenten berücksichtigt, gleichwohl die Ergebnisse der Studie mit Vorsicht zu genießen sind, da nicht alle körperlichen Risikofaktoren Beachtung fanden.
Dennoch lassen die ausgewerteten Daten darauf schließen, dass die Bevölkerung von Staaten mit schlechterer Infrastruktur und mangelnden demokratischen Prinzipien im Durchschnitt schneller altern als Menschen aus insgesamt sogenannten entwickelten Ländern. In Afrika ist der Alterungsprozess damit insgesamt am schnellsten, wohingegen Testpersonen aus Nord- und Westeuropa deutlich länger ihre körperliche und kognitive Fitness bewahren konnten.
Politisch instabile Länder sind häufig von Korruption, einem mangelhaften Gesundheits- und Sozialsystem sowie Umweltverschmutzung betroffen, verstoßen teilweise aber auch gegen die Menschenrechte. In autoritär regierten Staaten ist politische Partizipation kaum möglich, sodass die Bevölkerung (oder Teile davon) unterdrückt wird. Diese Faktoren sollen laut der Studie das Gehirn schneller altern lassen.
Der Neurowissenschaftler Agustiń Ibáñez, Leiter des Forschungsteams aus Dublin, geht davon aus, dass sich ein undemokratisches System negativ auf die Psyche auswirkt und v.a. Stress auslösen kann. Nehmen die Bürger*innen sich selbst als machtlos wahr und erfahren kaum bis gar keine staatliche Unterstützung, stellt dies eine ganzheitliche Belastungssituation dar.
Ausgehend von den Ergebnissen der Studie erscheint es umso wichtiger, das politische System auch in Deutschland zu stärken. Chancengleichheit, Nachhaltigkeit und das Wahrnehmen der Grundrechte können dazu beitragen, Alterungsprozesse zu verlangsamen. Über die Studie berichtete auch das Deutsche Ärzteblatt.

